Warner Brothers Studio Tour, ein Erlebnis für Harry-Potter-Fans

Wir wissen nicht mehr genau, wann die Buchreihe „Harry Potter“ Einzug in unser Leben hielt. Ich erinnere mich aber an eine Fahrradreise durch Schweden im Sommer 2003, während der der Band „The Order of the Phoenix“ erschien. In jenen Jahren gab es richtige Launch Partys, bei denen Fans unter großem Presserummel um Mitternacht des Stichtags das neue Buch präsentiert wurde. Wir dagegen hielten uns in ländlicher Gegend Südschwedens auf und waren froh, in den Tagen darauf (am Erscheinungstag war Midsommar und natürlich alle Geschäfte geschlossen) und der einzigen Buchhandlung einer Kleinstadt den Band tatsächlich zu erhalten. Wir fuhren nicht viel Fahrrad in den nächsten Tagen, sondern hockten im Zelt und lasen das Buch in abwechselnden Schichten. Unsere Kinder waren damals noch nicht einmal geboren, heute mit sieben und neun Jahren sind auch sie begeisterte Leser der Bücher.

Gewaltige optische Erlebnisse sind natürlich die dazu gehörigen Filme, die zwischen 2001 und 2011 entstanden, und den Weltrang von Joanne K. Rowling ebenso festigten wie den von Daniel Radcliffe und Emma Watson. Dabei sind vor allem zwei Dinge besonders an ihnen: Erstens wurden die Filme von Hollywoodrang komplett in England produziert, und zweitens wurde von den epischen Spezialeffekten verblüffend viel nicht am Computer, sondern Im Richtigen Leben, in Modellen und Animatronic, umgesetzt.

Und deshalb haben Warner Brothers in Watford bei London die Möglichkeit genutzt, nach Abschluss der Produktion aus den nicht länger benötigten Requisiten in den Studiohallen eine gewaltige Fanausstellung zu machen: die Warner Brothers Studio Tour. Ein Tour Guide sagte mir „ich war in Hollywood in den großen Studios, und sie hatten gar nichts wie wir hier, das sie vorführen konnten.“

Womit wir ins Spiel kommen: Englandreise, Harry-Potter-Fans groß und klein, logische Folge: Die Studiotour muss angesehen werden!

Shuttlebus

Und so standen wir am Morgen des 29. August um 9 Uhr 54 in Leavesden und nahmen unsere Audio Guides (dazu später mehr) in Empfang. „Are you quite calm?“ fragte mich der freundliche Junge am Ausgabeschalter. Er musste mir angesehen haben, dass ich eben gar nicht ruhig war – dass wir hier waren, mit unseren Eintrittskarten, genau wenige Minuten vor unserem eingeräumten Eintrittstermin, hatten filmreife finstere Mächte mit allerlei Tücken wie ausgebuchten Karten, abstürzenden Heißluftballons und in die Irre gehenden Navis zu verhindern versucht. Jetzt aber, jetzt war ich ganz ruhig. 

Große HalleBereits nach einem kurzen Einstimmungsfilm findet man sich in der ersten großartigen Kulisse wieder – der großen Halle von Hogwarts – und erhält einen ersten Eindruck, was auf einen zukommt: ein paar Stunden voll großartigen Eindrücken, Kulissen, Requisiten, Modellen, speziell für die Tour gedrehten Videos mit den echten Hauptdarstellern, Butterbier (auch dazu gleich mehr), vertiefenden Erklärungen von freundlichen Tour Guides, die überall anzutreffen sind. Das größte Highlight kommt zum Schluß – wer nicht mit offenem Mund „wow!“ sagt, wenn er um die letzte strategisch günstig angelegte Ecke biegt, muss schon sehr cool sein. Denn dort steht… nun, es steht am Ende, ich verrate es am Ende.

Nach der großen Halle verlassen wir den ersten Tour Guide und kommen in den selbstgeführten Bereich, d. h. man kann sich frei nach eigener Zeiteinteilung durch die Ausstellungsräume und -stücke bewegen, so viel Zeit für so viele Details aufwenden, wie man möchte. Und man möchte. Drei Stunden empfehlen die Studios solle man freihalten, wir verbrachten fast sieben dort. Man kann Picknick mitbringen oder dort etwas zu essen und zu trinken kaufen, erwähnte ich das Butterbier? ButterbierNun, hier ist es in ganzer Glorie: selbstverständlich alkoholfrei, ziemlich süß, aber auch angenehm kühl wird hier frisch aus einer Limonade und einer Art Sahneschaum der optische Eindruck eines englischen Stout hergestellt. Irgendwie ein Muss. Der Gastronomiebereich liegt im Außengelände zwischen den beiden großen Studiohallen, wo sich auch freistehende Exponate wie der Ligusterweg, der Fahrende Ritter, die Brücke von Hogwarts und eine interaktive Partie Zauberschach finden.

Um sich zwischen den Exponaten zurechtzufinden und die Unmengen von detaillierten Informationen richtig zu würdigen, hilft es sehr, Englisch zu sprechen und zu lesen. Das ist nun aber nicht jeder in die Wiege gelegt, insbesondere unseren Kindern noch nicht. Abhilfe schaffen die AudioguideAudioguides: Das sind im Prinzip iPods mit einer eigenen Oberfläche, die man in jeder Sprache leihen kann, die Exponate anhand einer Karte anzeigen, die wichtigsten Schautafeln vorlesen und auf dem kleinen Bildschirm Videos synchronisieren, die auch auf großen Monitoren gezeigt werden. Sich hindurchzuklicken lernt man schnell, und hat dann ungefähr den gleichen Informationsstand wie die Engländer. Nein, manchmal sogar ein kleines bisschen mehr, weswegen ich mir ab und zu vom Sohnemann seins auslieh. Kinder können zudem dokumentieren, wo sie überall gewesen sind, indem sie sich an verschiedenen Stationen in einem Hogwarts-Pass Siegel eindrücken lassen.

In der ersten Halle sind verschiedene Kulissen und Exponate ausgestellt, wie Dumbledores Arbeitszimmer, Professor Snapes Klassenraum oder Umbridges Arbeitszimmer im Zaubereiministerium. Danach folgt der Außenbereich, und dann die zweite Halle, die sich mit den Hintergründen der Filmarbeit befasst. Hier werden die animatronischen Modelle gezeigt, Concept Artists, Maskenbildner, Kostümschneider gewähren Einblicke in ihre Arbeit. Ob es ein lebensgroßer Drache sein soll, Perücken für alle Darsteller zu Schlüsselszenen (auch wenn diese beim Dreh eigentlich ihr eigenes Haar zeigten, aber manchmal muss etwas viel später nachgedreht werden) oder -zig Variationen desselben Kostüms, wie Harrys Jacke, die in einem Kampf immer weiter angesengt und verdreckt wurde, hier kommen Filmfans so richtig auf ihre Kosten.

Dann kommt die Winkelgasse, eine weitere der kompletten Schlüsselkulissen, in denen man sich verlieren kann, und schließlich Zeichnungen und Modelle, die die Entstehung einer Kulisse vom Text zum Bild beschreiben. Und schließlich – biegt man um die Ecke und sieht es, das Krönungsstück –

das komplette Modell des Hogwarts-Schlosses. Es ist riesig – groß wie eine Turnhalle und zwei Stockwerke hoch -, es ist beeindruckend, es ist detailliert bis ins letzte i-Tüpfelchen. In dieses Modell hinein wurden alle Kamerafahrten gefilmt. Wann immer in einem der acht Filme etwas am Schloss hinzugefügt wurde, musste es in diesem einen Hauptmodell angepasst werden. Als Gag, den man sich vom Hamburger Miniatur-Wunderland abgeguckt hat, wird es im Takt von etwa fünf Minuten Tag und Nacht, so sind für den Besucher hier Raum und Zeit relativiert.

Wer jetzt überlegt, demnächst nach London zu fahren, dem sei noch eines gesagt: In dem Modell wurden auch die Winterszenen gedreht, indem es komplett künstlich beschneit wurde. Hogwarts in the snowUnd das wird für diese Weihnachten nachgestellt, ab 15. November gibt es „Hogwarts in the snow“, für sich allein fast ein Grund, ein weiteres Mal nach London zu reisen. (Und genau jetzt gibt es natürlich ein Halloween-Programm für Kurzentschlossene. Todesser mischen sich unter die Besucher und so Zeug. Brrr.)

Praktische Tipps: Einlass in die Studiotour gibt es nur nach vorheriger Buchung über das Internet, man sollte mindestens eine Woche vorher, besser drei Wochen vorher an seine Buchung denken, sonst ist man schlichtweg ausgesperrt. Zum gebuchten Zeitfenster pünktlich erscheinen. Parken ist am Studiogelände kostenlos, das ist in England nicht selbstverständlich, und es gibt auch einen Shuttlebus aus der Londoner Innenstadt. Wer sein Navi nutzt, sollte vorher sicherstellen, dass er die richtige Zieladresse und Aktualisierungen hat, ich fand mich auf einer kleinen Privatstraße auf grüner Wiese wieder. Es gibt alles Benötigte am Studio, aber zumindest eine große Wasserflasche sollte jede sich mitnehmen. Ausreichend Zeit einplanen, es lohnt sich. Auf dem Gelände gibt es kostenloses WLAN (nur ich kam irgendwie nicht rein). Fotografieren ist willkommen. Website hier und Facebookseite da.

Wir danken der Warner Brothers Studio Tour für die freundliche Einladung, sagen hier aber trotzdem immer unsere eigene Meinung.

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