Anschauung

Obwohl ich ein glücklich verheirateter Radfahrer bin, gebe ich es zu: Manchmal an einer roten Ampel schaue ich Radfahrerinnen auf den Rahmen. A-haa. Oder auf die Scheinwerfer. Whoa! Honi soit qui mal y pense. Die frische Frühlingsluft tut ein Übriges.

Ernsthaft. Ein serious cyclist, ein ernstzunehmender Radfahrer, kann andere oft an gewissen Merkmalen erkennen. Da soll keiner sagen, Radfahrer hätten keinen Status, untereinander ist das anders. Da gibt es Rahmenmarken, die sofort für sich sprechen. Bergamont. Cannondale. Raleigh. Koga. Villiger. Und solche, bei denen man es nicht auf Anhieb weiß, dann helfen andere Details. Nabendynamo, Bumm-Scheinwerfer. Deore-Schaltung, alle Komponenten aufeinander abgestimmt. Magura-Bremsen. A-haa. Rohloff-Nabe. Whoa! Brooks-Sattel, Ortlieb-Taschen.

Aber es ist kein reiner Markenfetischismus, den ich meine. Serious cyclists können auch einen gepflegten, 30 Jahre alten Rahmen fahren, oder sogar ein recht schrottiges Rad, mit dem sie trotzdem ihre Kilometer abspulen. Schaut mal drauf: Ist die Kette gut gefettet, die Decke aber abgefahren? Serious cyclist. Steht der Drahtesel auch im leichten Nieselregen vor dem Aldi, wenn selbst gelegentlich radelnde Mütter ihre Kinder doch wieder mit dem Auto zur Schule bringen? Eben.

Der regelmäßige Radfahrer, den ich beschreibe, findet sich im allgemeinen sicher im Verkehr zurecht. Oft, wenn auch nicht immer, wird er einen Helm tragen, und die Fahrbahn dem Radweg vorziehen. Meist wird er die meisten Verkehrsregeln befolgen, selten alle – das tut übrigens kaum ein Verkehrsteilnehmer. Er ist zügig unterwegs, dabei vorausschauend und bremsbereit.

Und nicht selten ist sie oder er dabei ganz von allein hübsch anzusehen. Weil sie oder er vielleicht nicht schlank ist, aber eine Grundfitness aufweist. Aus Erfahrung Wege gefunden hat, sich auch auf dem Rad smart anzuziehen. Und einfach irgendwie entspannt und ausgeglichen ist.

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