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Bisschen Radeln in der Schweiz, lange Folgen

Dass ich erst jetzt dazu komme, einmal über den Sommer zu schreiben, hat damit zu tun, dass Familienradeln eben leider doch nicht immer harmlos ist.

Wir waren mit dem „Abenteuerbus“ und dem Zelt in der Schweiz, hatten aber wie immer natürlich auch unsere Fahrräder mit, um Tagesausflüge zu machen.

Wir starteten in Bern, wo man auf dem Stadtcampingplatz im Eichhölzli gleichzeitig nah an der Stadt und wunderbar im Grünen am Ufer der Aare ist. Toll für geübte Schwimmer: Schwimmen in der Aare, von der Strömung getragen. Und endeten im Berner Oberland, an der Lenk, wo wir sonst im Winter Skifahren und die Kinder auch einmal im Sommer wandern und radeln wollten.

Und beim Radeln dort endete der Urlaub vorzeitig, auf asphaltierter Straße, in der Rille einer Eisenbahnschiene, wie es eben überall passieren kann. Die Holde stürzte, rollte über den Arm ab, stand wieder auf und jammerte etwas, konnte die Fahrt aber zunächst fortsetzen. Und dennoch merkten wir bald, dass die Geschichte noch nicht zu Ende war, landeten im Spital, das sonst so auf Skiunfälle spezialisiert ist und genau deshalb bescheid weiß. Wo man Absplitterungen am Ellbogen diagnostizierte, ganz kleine nur, aber klar, dass es nach Hause ging, dass operiert werden musste, dass es Monate dauerte, viele Monate, bis heute, im Winter, ungefähr wieder volle Gebrauchsfähigkeit hergestellt ist.

Einen solchen Urlaub hätten wir sonst sicher länger beschrieben, ausführlicher, fröhlicher. So bleibt es bei einer kurzen Zusammenfassung.

Fahrradtour am Rhein mit Zelt und Kindern

Das war eine Tour, die erste selbstgefahrene für die Kinder (9 und 11). 217,5 km in vier Tagen, zwischen der Loreley im Süden von Sankt Goar und unserer Heimat im Norden von Düsseldorf. Camping in Koblenz, Bonn-Bad Godesberg und Köln-Rodenkirchen.

Tag 1: Sankt Goar – Koblenz, 52 km

AbflugWir sind auch immer froh, wenn uns so ein Trip ganz ohne den Einsatz des Autos gelingt, aber das bedeutete natürlich auch wieder das unvermeidliche Geschimpfe beim Einsatz der Bahn. Wir waren froh, als wir sie hinter uns ließen und uns ganz auf uns selbst verlassen konnten. Dabei hätten wir gedacht, eine Fahrt im Regionalexpress 5 nach Koblenz, eigentlich gut ausgestattet mit Fahrradabteilen, hätte klappen können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Wir waren rechtzeitig am Startbahnhof, hatten viel Zeit, uns aufzustellen, wir fragten die drei SSS durch die Sprechanlage, an welchem Ende das Fahrradabteil reisen würde – und die Information konnte natürlich nur eins sein, richtig oder 100 % falsch, und man muss nicht lange raten, wie sie ausfiel. Als wir am Zug entlang hetzten von der Spitze zum Schluss, fing uns der Zugchef ab, so viel Zeit habe man nicht, wir sollten hier und jetzt einsteigen. Also verteilten wir uns mit je einem Erwachsenen und einem Kind auf zwei Eingangsbereiche eines mit recht vielen Vatertagstouristen gut gefüllten Zugs. Blöd für alle, die an uns vorbei wollten, sie hassten uns, in gewisser Weise zu Recht, aber den Anweisungen des Personals ist nun einmal Folge zu leisten, und auch nicht so prickelnd für uns, die wir bis Köln stehend unsere Räder festhalten mussten. Erst dort gelang uns der Wechsel. Der Zug hatte zudem Verspätung, so dass der Anschluss in Koblenz fort war, der Aufzug stand. Aber da entschieden wir spontan: Mit unserem „Quer-durchs-Land-Ticket“ konnten wir den Abschnitt Koblenz-Sankt Goar genauso gut anders herum fahren. Also radeln hin und Zug zurück statt andersrum.

StolzenfelsEndlich auf den Sattel! Die Sonne schien, der Rhein plätscherte, wir waren nicht zum Ärgern gekommen. Der Rheinuferradweg weist so wenig Steigung oder Gefälle auf, dass es auch da egal ist, ob man stromauf oder stromab fährt. Wir radelten vergnügt von kleinem Ort zu kleinem Ort, allein ist man nie auf diesem Radweg, aber recht ungestört durchkommen kann man trotzdem. Immerhin war Himmelfahrt, das hatten wir uns schlimmer vorgestellt.

Irgendwie gar nicht so höhepunktig war Sankt Goar, ein Hort des Massentourismus. Wir schoben hindurch, waren entschlossen, die Loreley am südlichen Ortsausgang zu sehen, obwohl Töchting dann völlig unbeeindruckt war. Auch mich beeindrucken weniger die Flaggenmasten oben auf des Felsen Spitze, als vielmehr das tatsächlich schwierige Fahrwasser mit seiner Schiffs-Ampel (mit dreieckigen Lichtzeichen, im Foto ganz rechts). Man ahnt, wie man da Schiffe versenken spielen konnte, um dann die Schuld rasch auf ein hairstylendes Frauenzimmer zu schieben.

Loreley

Zurück zum Bahnhof Sankt Goar. Die MRB-Regionalbahn ist ganz ausgezeichnet mit Fahrradabteilen ausgestattet, nur der Bahnhof, aus Kaisers Zeiten (1860), hat sicher nie einen Rollstuhl-Touristen über die schmale, steile Treppe an den Rhein entlassen.

Diese Hürde konnte uns auch nicht mehr schrecken. Nach 52 km waren wir abends auf dem Campingplatz direkt am Deutschen Eck in Koblenz, kaum war unser Zelt aufgestellt, musste doch noch Regen sein – besser so als beim Radfahren, unser Zelt ist dicht. Der Innenstadt-Campingplatz von Koblenz trägt den Wohnwagenhersteller Knaus im Namen, da kann es nicht überraschen, dass er für motorisierten Verkehr optimiert ist, aber die handtuchgroße Zeltwiese direkt hinter dem Toilettengebäude ist schon wirklich nicht schön. Je nun, wir schliefen gut.

Deutsches Eck

Die Vorteile der zentralen Lage überwiegen sowieso. Abends Essen in der Stadt, morgens Einkauf beim „Netto“ direkt am Platz, und dann nach dem Frühstück sofort wieder am Rhein. Diesmal in der richtigen Richtung, gen Heimat, oder zunächst mal gen Bonn.

Tag 2: Koblenz – Bonn-Bad Godesberg, 60 km

Ein sonniger Traumtag. Hier, wo linker Hand nicht sofort ein Berg liegt, gibt es auch schon mal einen Industriehafen, aber der Weg ist ausgezeichnet beschildert, selbst ohne Karte (unsere ist von 1994, stimmt aber noch in allen wichtigen Punkten) kann man nichts falsch machen. Die Kinder nehmen gelegentlich eine Spielplatzpause, das Durchschnittstempo ist keine Ruhmestat, aber die Etmale machen sie schon stolz. Brücke von RemagenEin wohlverdientes Eis versüßt die Brücke von Remagen, und dann kommen auch schon die südlichen Ausläufer von Bonn. Zwei Campingplätze direkt aneinander, der Platz „Siebengebirge“ liegt noch in Rheinland-Pfalz, der städtische Platz von Bonn, Genienau, kaum einen Kilometer weiter, in NRW. Er ist völlig in Ordnung, nicht berühmt, etwas altbacken, aber freie Aufstellung auf einer großen Wiese gefällt uns besser, und die Sanitäranlagen sind einwandfrei. Am Siebengebirge radelten wir noch vorbei, dabei hätte es dort Spielgeräte gegeben, rückblickend wäre er vielleicht schöner gewesen. 60 km standen auf dem Tacho, als wir an der Isomatte horchten.

Tag 3: Bonn – Köln-Rodenkirchen, 43 km

Für den Samstag hatten wir uns vorgenommen, einmal wieder am Rheinauenflohmarkt in Bonn vorbeizuschauen. Die Holde hat früher in Bonn gelebt, und dieser riesige Flohmarkt im Grünen war immer eine tolle Sache. Fünfzehn Jahre später ist er nicht mehr dasselbe, es hilft nicht, wenn man wegen Gepäckbeschränkungen nichts kaufen kann, und es plötzlich viel kälter ist als gestern. Wir hatten alles an, was wir mitführten, Softshell unter Regenjacke, und radelten bald weiter. Es sollte ja noch nach Köln gehen, und das gelang auch. Auch dort ist mehr Camping im Süden, der Platz der Bergers auf dem Westufer wurde unserer, auf der Ostseite wäre der städtische gewesen. Aber diesmal war unsere Wahl sicher gut. Eine schöne Anlage, mit kindgerechtem Spielgerät, freier Platzwahl, Biergarten und phantastischem Sanitär.

Der Abend erinnerte noch an den Ford-Werbespot, in dem der Vater die Kinder in die Sprachsteuerung des Navis brüllen lässt: „Wir haben Hunger! In der Nähe!!“ und die Mutter so das Traumrestaurant aus der Jugend wiederfindet. Das geht auch ohne Auto, denn Google wohnt in meinem Handy und kann das ganz genauso. Es fand ein sehr stylishes griechisches Restaurant – und es passierte das, was gar nicht sein darf: Die griechische Küche hat den Ruf, gut und fleischlastig zu sein, und riesige Portionen zu servieren. Dieses Restaurant entschied, das Stylishe in den Vordergrund zu stellen, zugegeben ausgezeichnete Gerichte zu servieren, aber die Portionen so zu verkleinern, dass hungrige Radfahrer, die 43 km auf der Uhr hatten, das Lokal verarmt, aber immer noch hungrig verließen. Und dabei riet die Kellnerin noch, den Kinderteller für den Sohnemann zu nehmen, die Portionen seien ja groß. Pustekuchen! Pommes im Camping-Biergarten waren erforderlich, um den Tag abzurunden.

Frühstück am Rhein

Tag 4: Köln – Düsseldorf, 62,5 km

Alles vergessen am nächsten Tag. Das Wetter wieder schön, die letzte Etappe soll nach Hause gehen. Ab der Reichweite des VRR-Tickets hätte man mit der S-Bahn verkürzen können, aber die Kinder wollen ganz auf eigenem Pneu bis nach Hause kommen. Hui, durch Köln durch! Aber auch hier geht es, zwischen vielen Sonntagsspaziergängern hindurch. Weiter bis zur Fähre Langel, die wir nur passieren, und zur Fähre Zons, mit der wir den Rhein überqueren. Sie ist zugleich ein Altbieräquator, linksrheinisch war ein Früh-Kölsch-Schützenfest, rechtsrheinisch trank ich schnell wieder mein erstes Frankenheim Alt.

Fähre ZonsNach Zons beginnt auch schon die Urdenbacher Kämpe, mit anderen Worten, Düsseldorf, die fahrradfreundliche Stadt in Nordrhein-Westfalen. Man merkt es den Radwegen sofort wieder an, aber ich will mich nicht in Ironie verlieren. Nur soviel: den Rhein finden wir nie wieder, uns dafür oft genug auf vierspuriger Fahrbahn, obwohl eben noch ein zentraler Radweg angeschrieben war, nicht witzig mit Kindern selbst an einem Sonntag. Vielleicht ist unser Urteil auch subjektiv geprägt. Aber wir waren dann bald zu Hause, letztes Tagesetmal 62,5 km.

Anmerkungen

Unsere Karte war alt, aber stimmig. „bikeline Rhein-Radweg“ (hier aktuell, bei uns von 1994), kann man sich schön auf die Lenkertasche klemmen und los. Aber so wie der Rhein-Radweg ausgeschildert ist, und vielleicht mit der Hilfe eines Smartphones mit Google Maps, kann man auch ohne das Büchlein losfahren.

Unsere Tourenausstattung ist in vielen Jahren vor den Kindern bewährt, Ortlieb-Packtaschen und ein 4-Personen-Zelt, mit 5 kg nicht ultraleicht, aber dafür bequem, und trotzdem problemlos auf den Gepäckträger zu schnallen. An ihren 24″ Rädern haben auch die Kinder Packtaschen: Ortlieb-Lowrider für Erwachsene machen sich hervorragend als hintere Packtaschen am Kinderrad. Wir verzichteten diesmal auf Kochausstattung zugunsten von Imbiss, Restaurant und Aldi-Markt. Der Rhein ist ja nicht eben die Wildnis.

Wasserflaschen gehören an jedes Rad. Schade, dass so viele Kinderräder keine Bohrungen für eine Halterung haben. Kabelbinder können helfen, neigen aber zum Verrutschen.

In der Lenkertasche ist, was man so braucht:

  • Taschenlampen für den Campingplatz, ich mag am liebsten die Stirnlampen von LED-Lenser.
  • Erste Hilfe, die ich nicht für uns brauchte, war dennoch nützlich, als an den Pollern bei der Fähre Langel eine Rennradfahrerin im hohen Bogen über den Lenker abstieg. Sie blieb zum Glück insgesamt heil, nur ein paar Schürfwunden fanden ihr Pflaster, und die Kette war raus.
  • Das Multitool zum Flickzeug, denn selbst an der Ortlieb-Qualität kann sich einmal eine Schraube lösen, und so flog kurz vor Bonn plötzlich der Lowrider der Tochter im ähnlich hohen Bogen davon. McGyver stand mir bei, und mit einer Schraube ihrer Tacho-Halterung konnte ich sie ersetzen.
  • Smartphones haben ja immer Durst, und auf Campingplätzen ist Strom immer Mangelware. Mit einer Powerbank konnte ich tatsächlich alle drei Nächte überbrücken. Etwa 10.000 mAh braucht man dafür, und muss kaum über 20 Euro dafür ausgeben, ein Beispiel (neu gibt es auch Geräte mit Solarpanel im bezahlbaren Segment, wie dies, ich habe aber noch keine Erfahrungswerte).
  • Taschenmesser für Brot und Salami und Löffel – nicht lachen, aber man kann sich beim Lebensmittelmarkt gut mal einen Pudding o. ä. zum Picknick gönnen, und wenn man die Küche auch ganz zu Hause gelassen hat, nimmt dies Detail doch gar keinen Platz weg.

Summer in Sweden

For three years now we have started planning for a Sweden trip, but ended up twice in Wales or Scotland instead. This year it shall be it, though I’ll start believing it when I’ve bought the Camping Key Europe card and the ferry tickets…

Camping 2003The corner posts are

  • Travemünde-Trelleborg as ferry entry point
  • BRIO lekoseum in Osby
  • Öland with Eketorp castle and a glass blower workshop
  • Astrid Lindgren’s world in Vimmerby
  • Stockholm with the Vasa
  • lakes Vänern/Vättern
  • Göta canal (Göta älv)
  • Copenhagen
  • Legoland in Billund

We have done a similar trip in 2009 with the children, though they were too little to remember too many details. In 2003 we had a quite different trip that involved only cycling and no children yet. As usual we will be camping with the adventure bus, and will be bringing our bikes for local trips. This time we are thinking about doing a longer bicycle trip (about 3 days) along the western part of the Göta canal, the Göta älv.

Bullerbyen 2009The route would roughly look like this in Google maps. Hey, it’s just a first sketch. For all we know we may end up in Cumbria after all!

When we took up planning for the UK, the children were quite happy with Für Eltern verboten: Großbritannien: Der cool verrückte Reiseführer (the German version of Not for Parents, a child-friendly guide by the Lonely Planet). So obviously we looked for Not for Parents Sweden this time. Alas, it wasn’t written yet! We may have to do just that.

Das Freie Radfahren in der Stadt der Liebe

Wir haben fünf Tage Städteurlaub in Paris gemacht, der Stadt der Liebe, und der Vélibs, der Freien Fahrräder. Eine schöne Stadt, eine, die ich irgendwie immer mit unglaublich vielen Autos assoziiere, die unglaublich elegant umeinander herumkurven, sich auch von gelegentlichen Beulen nicht aus der Nonchalance bringen lassen, während die Fahrer in der betagten Ente genüßlich an ihrer Gauloises ziehen. Ihre Radfahrer haben alle ein Baguette im Lenkerkorb und profitieren von derselben Nonchalance. Stimmt so? Ganz anders, trotzdem irgendwie doch so, wie ich feststellte.

Fangen wir mit dem Konzept Vélib an: Dieses Stadtfahrrad steht überall zur Verfügung, zwar muß es an einer Station gelöst und abgegeben werden, doch die sind so omnipräsent wie die Bäckereien, von denen angeblich Napoleon verfügte, kein Parisien müsse weiter als 300m laufen, um an ein Baguette zu kommen. Die erste halbe Stunde ist gratis.

Vélibs in ihrer Leihstation. Kunde sein muß man aber schon.

Beschwingt verließ ich also unsere Ferienwohnung, um an einer solchen Station ein Fahrzeug zu erstehen und loszudüsen. Das Terminal ließ sich auf Englisch umstellen (mein Französisch ist mehr so so-so), und fragte mich nach meiner Kundennummer. Moment mal, Kundennummer? An diese kleine Voraussetzung hatte ich nicht gedacht, unsere Düsseldorfer Nextbikes bucht man telefonisch, das geht auch als Neukunde.

Nun bietet uns das 21. Jahrhundert Smartphones, und fast jedes Café in den Straßen von Paris gratis WLAN, ich mußte also nicht weit laufen, um Kunde zu werden, ohne teuer zu roamen. Statt der kostenlosen halben Stunde entscheide ich mich für die Tageskarte für sensationell günstige 1,70 €, und kann jetzt das Rad auslösen. Mit einem satten „Klack!“ fällt es aus der Halterung, in die es statt eines Schlosses einfach mit einem Bolzen vorn am Rahmen reingeschoben wird, und steht vor mir.

Mein Vélib, im Hintergrund gut sichtbar eine Busspur mit Fahrradnutzung.

Sattelhöhe justiert und losgefahren im Sonnenschein. Trotz seines beachtlichen Gewichts fährt es angenehm mit Dreigang-Nabenschaltung und Nabendynamo. Statt eines Gepäckträgers hat es den besagten Lenkerkorb für das Baguette.- Übrigens, eine Flotte von Servicepersonal ist stets unterwegs, die Räder technisch auf Zack und den Reifendruck à jour zu halten.

Nach kurzer Fahrt auf kleinen Seitenstraßen schwenke ich in die erste Hauptstraße ein. Das ist gar nicht so schwierig, denn fast überall dürfen wir Radfahrer die Busspur mitbenutzen, an mancher Ampelkreuzung haben wir eine Box vor der Haltelinie, oder eine eigene Radfahrerampel. Dass wir Radfahrer speziell geschätzt werden, ist zwar nicht gerade mein Eindruck, aber es gibt wohl wirklich diese Nonchalance, diese tiefenentspannte Haltung, die auch im Straßenverkehr greift, und die bedeutet, dass man irgendwie elegant umschifft und auch selbst durchgelassen wird. Man muß sich gewisse Ansprüche aber auch nehmen, in eine Spur voller Autos einzuschwenken, auch einmal  links abzubiegen, wo es nicht erlaubt ist, alle anderen es aber auch tun. Ich gerate in einen Kordon von 2VCs (die „Ente“ ist hier aber auch ein Museums-, kein Alltagsfahrzeug mehr) und schwimme lustig mit.

Google Maps nölt aus meiner Tasche, für meinen zuvor abgesteckten Kurs hätte ich hier rechts abbiegen sollen, aber ich folge lieber dem großen Boulevard und werde am nächsten Platz mit einem Blick auf den Eiffelturm in der Ferne belohnt, den Kreisverkehr nehme ich einfach zweimal. Oh, ein kleiner Glaspalast mit Säulen davor, es ist eine Autolib-Station, das Äquivalent zum Leihen von Elektroautos. Google hat sich jetzt neu orientiert und lenkt mich in eine Art kleinen Triumphbogen zwischen zwei Häusern, hier dürfen mir die Autofahrer leider nicht folgen. Ein einheimische Radfahrer glaubt, mich mit dem Leihrad als Gelegenheitsradler locker abhängen zu können, aber ich kann einiges aus dem Gerät herausholen, eine Weile flitzen wir nebeneinander her, bis er rechts abbiegt.

Eiffelturm in der Ferne

Am Ziel angekommen, stelle ich mein Rad einfach ab, das Ausbuchen geschieht automatisch. Leider stand an dieser Station kein weiteres Rad bereit, sofort kommt jemand und leiht meins aus. Wollte ich später weiterfahren, hätte ich hier das Nachsehen, aber meine Testfahrt ist beendet.

Wie Guinness die Vogels um ihren Rekord betrügt

Ich hatte berichtet, wie die Familie Vogel mit ihren Söhnen, den Zwillingen Davy und Daryl, auf Fahrrädern die Panamericana von Alaska nach Feuerland radelten. Sie waren 10, als sie abreisten und 13 bei Ankunft. Sie waren damit die jüngsten, die diese Strecke absolvierten (der letzte Rekordhalter war lt. Nancy 18 Jahre alt), und sollten somit auch den Guinness Weltrekord halten. Bei Abfahrt war scheinbar auch alles mit Guinness geklärt, die Anforderungen genau vereinbart. Jetzt jedoch erklärt Guinness, inzwischen hätte sich ihre ethische Auffassung zu Jüngsten-Rekorden geändert, und sie würden diese nicht mehr anerkennen.

Nun sind ja ohnehin nicht alle Guinness-Weltrekorde ethisch einwandfrei, Torre deRoche zählt in ihrem lesenswerten Artikel so treffende Beispiele wie die größten vergrößerten Brüste auf, aber man könnte einwerfen, dass sie im allgemeinen zumindest Erwachsene im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte betreffen – wieviel geistige Kräfte „Vollbesitz“ für einige auch immer bedeuten mag – und Rekorde mit Kindern besonders verwerflich seien. Gerade die Vogels stehen aber über jedem Verdacht, ihre Kinder für den Rekord ausgenutzt zu haben. So berichten sie plausibel, dass die Idee von den Kindern selbst ausging, und nicht zuletzt haben sie sie auf der Reise begleitet, mit ihnen zusammen geschwitzt und gefroren und für ihre Sicherheit und Schulbildung gesorgt.

(photograph © Nancy Vogel, used by permission)

Ein oberflächlicher Blick auf die Guinness-Website zeigt aber auch, dass man seit der Abreise der Vogels ungefähr 49 weitere Jüngstenrekorde anerkannt hat, den letzten am 18. Mai, knapp zwei Monate nach der Ankunft der Familie in Ushuaia, und zumindest noch 2010 auch noch solche mit Minderjährigen.

Den Vogels wird das nicht schaden. Sie haben die Reise in erster Linie für sich gemacht, haben Erlebnisse gehabt und mit uns anderen Menschen geteilt, die ihnen niemand nehmen kann, und zeigen in diesen weiteren Monaten, dass es ihnen auch sehr wohl gelingt, in unserer „zivilisierten Welt“ wieder Fuß zu fassen. Die beiden Teenager haben gerade auf dieser Reise gelernt, dass es wichtigere Dinge gibt als so etwas Materielles wie einen Bilderrahmen an der Wand. Dennoch wäre er natürlich ein wichtiges und verdientes Symbol für sie, und um dieses werden sie betrogen. Deshalb denke ich, Guinness sollte sich sorgfältig überlegen (selbst wenn die Idee grundsätzlich vielleicht nicht schlecht ist), ob sie die Regeln ausgerechnet während eines laufenden Rekordversuchs ändern.

Zu klassischer Musik durch Mitteleuropa

Vor einem Jahr habe ich schon von Stuart und Kirstie berichtet, die mit ihren drei Kindern „Moomin Madness“, also die finnischen Mumins erleben wollten. Nun gut, sie sind herumgekommen um die Ostsee, zweitausend geradelte Kilometer.

Dass sie sich dieses Jahr wieder etwas vorgenommen haben, kann da niemand überraschen: Mit 4 Flöten und einer Mundharmonika im Gepäck wollen sie Lebensstationen großer klassischer Komponisten nachfahren: München, Österreich, Ungarn, Slowakei, Polen.

We'll bee ready for any weather... which is just as well on Twitpic

In München sind sie inzwischen, mit dem Wetter haben sie nun wirklich kein Glück.

Im Blog steht noch nicht viel, getwittert wird eifrig. Facebook klar, bei Google Plus noch nicht angekommen.