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Bisschen Radeln in der Schweiz, lange Folgen

Dass ich erst jetzt dazu komme, einmal über den Sommer zu schreiben, hat damit zu tun, dass Familienradeln eben leider doch nicht immer harmlos ist.

Wir waren mit dem „Abenteuerbus“ und dem Zelt in der Schweiz, hatten aber wie immer natürlich auch unsere Fahrräder mit, um Tagesausflüge zu machen.

Wir starteten in Bern, wo man auf dem Stadtcampingplatz im Eichhölzli gleichzeitig nah an der Stadt und wunderbar im Grünen am Ufer der Aare ist. Toll für geübte Schwimmer: Schwimmen in der Aare, von der Strömung getragen. Und endeten im Berner Oberland, an der Lenk, wo wir sonst im Winter Skifahren und die Kinder auch einmal im Sommer wandern und radeln wollten.

Und beim Radeln dort endete der Urlaub vorzeitig, auf asphaltierter Straße, in der Rille einer Eisenbahnschiene, wie es eben überall passieren kann. Die Holde stürzte, rollte über den Arm ab, stand wieder auf und jammerte etwas, konnte die Fahrt aber zunächst fortsetzen. Und dennoch merkten wir bald, dass die Geschichte noch nicht zu Ende war, landeten im Spital, das sonst so auf Skiunfälle spezialisiert ist und genau deshalb bescheid weiß. Wo man Absplitterungen am Ellbogen diagnostizierte, ganz kleine nur, aber klar, dass es nach Hause ging, dass operiert werden musste, dass es Monate dauerte, viele Monate, bis heute, im Winter, ungefähr wieder volle Gebrauchsfähigkeit hergestellt ist.

Einen solchen Urlaub hätten wir sonst sicher länger beschrieben, ausführlicher, fröhlicher. So bleibt es bei einer kurzen Zusammenfassung.

Fahrradtour am Rhein mit Zelt und Kindern

Das war eine Tour, die erste selbstgefahrene für die Kinder (9 und 11). 217,5 km in vier Tagen, zwischen der Loreley im Süden von Sankt Goar und unserer Heimat im Norden von Düsseldorf. Camping in Koblenz, Bonn-Bad Godesberg und Köln-Rodenkirchen.

Tag 1: Sankt Goar – Koblenz, 52 km

AbflugWir sind auch immer froh, wenn uns so ein Trip ganz ohne den Einsatz des Autos gelingt, aber das bedeutete natürlich auch wieder das unvermeidliche Geschimpfe beim Einsatz der Bahn. Wir waren froh, als wir sie hinter uns ließen und uns ganz auf uns selbst verlassen konnten. Dabei hätten wir gedacht, eine Fahrt im Regionalexpress 5 nach Koblenz, eigentlich gut ausgestattet mit Fahrradabteilen, hätte klappen können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Wir waren rechtzeitig am Startbahnhof, hatten viel Zeit, uns aufzustellen, wir fragten die drei SSS durch die Sprechanlage, an welchem Ende das Fahrradabteil reisen würde – und die Information konnte natürlich nur eins sein, richtig oder 100 % falsch, und man muss nicht lange raten, wie sie ausfiel. Als wir am Zug entlang hetzten von der Spitze zum Schluss, fing uns der Zugchef ab, so viel Zeit habe man nicht, wir sollten hier und jetzt einsteigen. Also verteilten wir uns mit je einem Erwachsenen und einem Kind auf zwei Eingangsbereiche eines mit recht vielen Vatertagstouristen gut gefüllten Zugs. Blöd für alle, die an uns vorbei wollten, sie hassten uns, in gewisser Weise zu Recht, aber den Anweisungen des Personals ist nun einmal Folge zu leisten, und auch nicht so prickelnd für uns, die wir bis Köln stehend unsere Räder festhalten mussten. Erst dort gelang uns der Wechsel. Der Zug hatte zudem Verspätung, so dass der Anschluss in Koblenz fort war, der Aufzug stand. Aber da entschieden wir spontan: Mit unserem „Quer-durchs-Land-Ticket“ konnten wir den Abschnitt Koblenz-Sankt Goar genauso gut anders herum fahren. Also radeln hin und Zug zurück statt andersrum.

StolzenfelsEndlich auf den Sattel! Die Sonne schien, der Rhein plätscherte, wir waren nicht zum Ärgern gekommen. Der Rheinuferradweg weist so wenig Steigung oder Gefälle auf, dass es auch da egal ist, ob man stromauf oder stromab fährt. Wir radelten vergnügt von kleinem Ort zu kleinem Ort, allein ist man nie auf diesem Radweg, aber recht ungestört durchkommen kann man trotzdem. Immerhin war Himmelfahrt, das hatten wir uns schlimmer vorgestellt.

Irgendwie gar nicht so höhepunktig war Sankt Goar, ein Hort des Massentourismus. Wir schoben hindurch, waren entschlossen, die Loreley am südlichen Ortsausgang zu sehen, obwohl Töchting dann völlig unbeeindruckt war. Auch mich beeindrucken weniger die Flaggenmasten oben auf des Felsen Spitze, als vielmehr das tatsächlich schwierige Fahrwasser mit seiner Schiffs-Ampel (mit dreieckigen Lichtzeichen, im Foto ganz rechts). Man ahnt, wie man da Schiffe versenken spielen konnte, um dann die Schuld rasch auf ein hairstylendes Frauenzimmer zu schieben.

Loreley

Zurück zum Bahnhof Sankt Goar. Die MRB-Regionalbahn ist ganz ausgezeichnet mit Fahrradabteilen ausgestattet, nur der Bahnhof, aus Kaisers Zeiten (1860), hat sicher nie einen Rollstuhl-Touristen über die schmale, steile Treppe an den Rhein entlassen.

Diese Hürde konnte uns auch nicht mehr schrecken. Nach 52 km waren wir abends auf dem Campingplatz direkt am Deutschen Eck in Koblenz, kaum war unser Zelt aufgestellt, musste doch noch Regen sein – besser so als beim Radfahren, unser Zelt ist dicht. Der Innenstadt-Campingplatz von Koblenz trägt den Wohnwagenhersteller Knaus im Namen, da kann es nicht überraschen, dass er für motorisierten Verkehr optimiert ist, aber die handtuchgroße Zeltwiese direkt hinter dem Toilettengebäude ist schon wirklich nicht schön. Je nun, wir schliefen gut.

Deutsches Eck

Die Vorteile der zentralen Lage überwiegen sowieso. Abends Essen in der Stadt, morgens Einkauf beim „Netto“ direkt am Platz, und dann nach dem Frühstück sofort wieder am Rhein. Diesmal in der richtigen Richtung, gen Heimat, oder zunächst mal gen Bonn.

Tag 2: Koblenz – Bonn-Bad Godesberg, 60 km

Ein sonniger Traumtag. Hier, wo linker Hand nicht sofort ein Berg liegt, gibt es auch schon mal einen Industriehafen, aber der Weg ist ausgezeichnet beschildert, selbst ohne Karte (unsere ist von 1994, stimmt aber noch in allen wichtigen Punkten) kann man nichts falsch machen. Die Kinder nehmen gelegentlich eine Spielplatzpause, das Durchschnittstempo ist keine Ruhmestat, aber die Etmale machen sie schon stolz. Brücke von RemagenEin wohlverdientes Eis versüßt die Brücke von Remagen, und dann kommen auch schon die südlichen Ausläufer von Bonn. Zwei Campingplätze direkt aneinander, der Platz „Siebengebirge“ liegt noch in Rheinland-Pfalz, der städtische Platz von Bonn, Genienau, kaum einen Kilometer weiter, in NRW. Er ist völlig in Ordnung, nicht berühmt, etwas altbacken, aber freie Aufstellung auf einer großen Wiese gefällt uns besser, und die Sanitäranlagen sind einwandfrei. Am Siebengebirge radelten wir noch vorbei, dabei hätte es dort Spielgeräte gegeben, rückblickend wäre er vielleicht schöner gewesen. 60 km standen auf dem Tacho, als wir an der Isomatte horchten.

Tag 3: Bonn – Köln-Rodenkirchen, 43 km

Für den Samstag hatten wir uns vorgenommen, einmal wieder am Rheinauenflohmarkt in Bonn vorbeizuschauen. Die Holde hat früher in Bonn gelebt, und dieser riesige Flohmarkt im Grünen war immer eine tolle Sache. Fünfzehn Jahre später ist er nicht mehr dasselbe, es hilft nicht, wenn man wegen Gepäckbeschränkungen nichts kaufen kann, und es plötzlich viel kälter ist als gestern. Wir hatten alles an, was wir mitführten, Softshell unter Regenjacke, und radelten bald weiter. Es sollte ja noch nach Köln gehen, und das gelang auch. Auch dort ist mehr Camping im Süden, der Platz der Bergers auf dem Westufer wurde unserer, auf der Ostseite wäre der städtische gewesen. Aber diesmal war unsere Wahl sicher gut. Eine schöne Anlage, mit kindgerechtem Spielgerät, freier Platzwahl, Biergarten und phantastischem Sanitär.

Der Abend erinnerte noch an den Ford-Werbespot, in dem der Vater die Kinder in die Sprachsteuerung des Navis brüllen lässt: „Wir haben Hunger! In der Nähe!!“ und die Mutter so das Traumrestaurant aus der Jugend wiederfindet. Das geht auch ohne Auto, denn Google wohnt in meinem Handy und kann das ganz genauso. Es fand ein sehr stylishes griechisches Restaurant – und es passierte das, was gar nicht sein darf: Die griechische Küche hat den Ruf, gut und fleischlastig zu sein, und riesige Portionen zu servieren. Dieses Restaurant entschied, das Stylishe in den Vordergrund zu stellen, zugegeben ausgezeichnete Gerichte zu servieren, aber die Portionen so zu verkleinern, dass hungrige Radfahrer, die 43 km auf der Uhr hatten, das Lokal verarmt, aber immer noch hungrig verließen. Und dabei riet die Kellnerin noch, den Kinderteller für den Sohnemann zu nehmen, die Portionen seien ja groß. Pustekuchen! Pommes im Camping-Biergarten waren erforderlich, um den Tag abzurunden.

Frühstück am Rhein

Tag 4: Köln – Düsseldorf, 62,5 km

Alles vergessen am nächsten Tag. Das Wetter wieder schön, die letzte Etappe soll nach Hause gehen. Ab der Reichweite des VRR-Tickets hätte man mit der S-Bahn verkürzen können, aber die Kinder wollen ganz auf eigenem Pneu bis nach Hause kommen. Hui, durch Köln durch! Aber auch hier geht es, zwischen vielen Sonntagsspaziergängern hindurch. Weiter bis zur Fähre Langel, die wir nur passieren, und zur Fähre Zons, mit der wir den Rhein überqueren. Sie ist zugleich ein Altbieräquator, linksrheinisch war ein Früh-Kölsch-Schützenfest, rechtsrheinisch trank ich schnell wieder mein erstes Frankenheim Alt.

Fähre ZonsNach Zons beginnt auch schon die Urdenbacher Kämpe, mit anderen Worten, Düsseldorf, die fahrradfreundliche Stadt in Nordrhein-Westfalen. Man merkt es den Radwegen sofort wieder an, aber ich will mich nicht in Ironie verlieren. Nur soviel: den Rhein finden wir nie wieder, uns dafür oft genug auf vierspuriger Fahrbahn, obwohl eben noch ein zentraler Radweg angeschrieben war, nicht witzig mit Kindern selbst an einem Sonntag. Vielleicht ist unser Urteil auch subjektiv geprägt. Aber wir waren dann bald zu Hause, letztes Tagesetmal 62,5 km.

Anmerkungen

Unsere Karte war alt, aber stimmig. „bikeline Rhein-Radweg“ (hier aktuell, bei uns von 1994), kann man sich schön auf die Lenkertasche klemmen und los. Aber so wie der Rhein-Radweg ausgeschildert ist, und vielleicht mit der Hilfe eines Smartphones mit Google Maps, kann man auch ohne das Büchlein losfahren.

Unsere Tourenausstattung ist in vielen Jahren vor den Kindern bewährt, Ortlieb-Packtaschen und ein 4-Personen-Zelt, mit 5 kg nicht ultraleicht, aber dafür bequem, und trotzdem problemlos auf den Gepäckträger zu schnallen. An ihren 24″ Rädern haben auch die Kinder Packtaschen: Ortlieb-Lowrider für Erwachsene machen sich hervorragend als hintere Packtaschen am Kinderrad. Wir verzichteten diesmal auf Kochausstattung zugunsten von Imbiss, Restaurant und Aldi-Markt. Der Rhein ist ja nicht eben die Wildnis.

Wasserflaschen gehören an jedes Rad. Schade, dass so viele Kinderräder keine Bohrungen für eine Halterung haben. Kabelbinder können helfen, neigen aber zum Verrutschen.

In der Lenkertasche ist, was man so braucht:

  • Taschenlampen für den Campingplatz, ich mag am liebsten die Stirnlampen von LED-Lenser.
  • Erste Hilfe, die ich nicht für uns brauchte, war dennoch nützlich, als an den Pollern bei der Fähre Langel eine Rennradfahrerin im hohen Bogen über den Lenker abstieg. Sie blieb zum Glück insgesamt heil, nur ein paar Schürfwunden fanden ihr Pflaster, und die Kette war raus.
  • Das Multitool zum Flickzeug, denn selbst an der Ortlieb-Qualität kann sich einmal eine Schraube lösen, und so flog kurz vor Bonn plötzlich der Lowrider der Tochter im ähnlich hohen Bogen davon. McGyver stand mir bei, und mit einer Schraube ihrer Tacho-Halterung konnte ich sie ersetzen.
  • Smartphones haben ja immer Durst, und auf Campingplätzen ist Strom immer Mangelware. Mit einer Powerbank konnte ich tatsächlich alle drei Nächte überbrücken. Etwa 10.000 mAh braucht man dafür, und muss kaum über 20 Euro dafür ausgeben, ein Beispiel (neu gibt es auch Geräte mit Solarpanel im bezahlbaren Segment, wie dies, ich habe aber noch keine Erfahrungswerte).
  • Taschenmesser für Brot und Salami und Löffel – nicht lachen, aber man kann sich beim Lebensmittelmarkt gut mal einen Pudding o. ä. zum Picknick gönnen, und wenn man die Küche auch ganz zu Hause gelassen hat, nimmt dies Detail doch gar keinen Platz weg.

Summer in Sweden

For three years now we have started planning for a Sweden trip, but ended up twice in Wales or Scotland instead. This year it shall be it, though I’ll start believing it when I’ve bought the Camping Key Europe card and the ferry tickets…

Camping 2003The corner posts are

  • Travemünde-Trelleborg as ferry entry point
  • BRIO lekoseum in Osby
  • Öland with Eketorp castle and a glass blower workshop
  • Astrid Lindgren’s world in Vimmerby
  • Stockholm with the Vasa
  • lakes Vänern/Vättern
  • Göta canal (Göta älv)
  • Copenhagen
  • Legoland in Billund

We have done a similar trip in 2009 with the children, though they were too little to remember too many details. In 2003 we had a quite different trip that involved only cycling and no children yet. As usual we will be camping with the adventure bus, and will be bringing our bikes for local trips. This time we are thinking about doing a longer bicycle trip (about 3 days) along the western part of the Göta canal, the Göta älv.

Bullerbyen 2009The route would roughly look like this in Google maps. Hey, it’s just a first sketch. For all we know we may end up in Cumbria after all!

When we took up planning for the UK, the children were quite happy with Für Eltern verboten: Großbritannien: Der cool verrückte Reiseführer (the German version of Not for Parents, a child-friendly guide by the Lonely Planet). So obviously we looked for Not for Parents Sweden this time. Alas, it wasn’t written yet! We may have to do just that.

Mehr über Zelte: Outwell Nevada M und ein Nachtrag

Ein letztes Mal diente uns das im letzten Artikel beschriebene Our Planet Cordilliera 4 zum Anfang dieser Sommerreise noch als Hauptzelt. Dann endete ein Besuch beim britischen Ausrüster „Go Outdoors“ mit dem angedrohten Kauf eines größeren Familienzelts. Gleich mehr zu diesem, doch nicht ohne die Abschlussepisode des Zelts, das sich fortan „unser Mittelgroßes“ nennen soll:

Wir hatten den Besuch beim Ausrüster bewusst direkt an den Anfang der Reise gelegt, wir wollten uns nicht mehr lange mit dem alten Cordilliera 4 abgeben, führten es aber als Reserve noch mit. Nach Fährfahrt und Kauf des neuen Zelts wurde es spät, als wir auf dem ersten Campingplatz ankamen, und der Bauer zeigte mahnend auf aufziehende graue Wolken. Wir glaubten an Regen und entschieden, unser altes, vertrautes Zelt schneller aufbauen zu können als das neue, mit dem wir noch nicht vertraut waren. Wir hatten recht, aber anders als erwartet:

Es gibt keine Bilder von dem Sturm, der etwa dreizehn Minuten später über den Platz fegte, es kann keine geben, denn zwar hatte ich das Zelt in gewohnter Weise aufgerichtet, mit Heringen an den Ecken und zwei Leinen an den Enden, als das Wetter sich entlud, und es war eben kein einfacher Regen. Frau und Kinder waren im Inneren des Zelts, und das war gut so, denn so konnte es sicher nicht wegwehen – es blies mit Sturm- bis Orkanstärke, und das flexible Alugestänge legte sich zeitweise komplett flach auf den Boden. Panisch war ich nicht, aber hektisch, im waagerecht strömenden Regen hantierte ich mit Gummihammer, Heringen und Abspannleinen an allen sechs Endpunkten, bis das Zelt wirklich sturmsicher befestigt war. Ungeachtet des tollen Wetters verbrachten wir eine weitere ruhige Nacht in einem soliden Zelt, das keinen Mucks mehr machte, und das sich am nächsten Morgen auch völlig unbeschädigt zeigte, obwohl es doch zeitweise für so ein Unwetter völlig unzureichend abgesichert war. Einen besseren Qualitätsbeweis als an seinem letzten Tag hätte uns das Zelt in allen Jahren nicht liefern können. Dass es regendicht ist, wussten wir schon lange, aber sturmsicher bis zum Orkan, phantastisch.

Outwell Nevada M

Wir hatten es angekündigt, wir sind motorisiert und bequem geworden, und es sollten andere Zeiten und andere Zelte kommen. Wir hatten lange mit einem Outwell-Zelt geliebäugelt, uns die meisten aber neu nicht leisten wollen, und Kleinanzeigen waren immer sofort weg, andere dachten wohl ähnlich wie wir. Es wäre also bei dem britischen Ausrüster wohl eine Eigenmarke geworden, wenn nicht plötzlich dort ein Outwell Nevada M, wohl ein Vorjahresmodell, als Sonderangebot gestanden hätte. Es ist ein Fünf-Personen-Zelt mit zwei Schlafkammern, vollständig geschlossenem Boden und geräumiger Apsis, die Platz für Tisch und Stühle bietet, ziemlich genau was wir gesucht hatten.

Outwell Nevada M

Es diente uns jetzt eine Saison lang, und hat einiges ausprobiert in dieser Zeit. Wir konnten es etwa ab dem dritten Tag schnell und geübt aufstellen, hatten allen Platz, den wir uns wünschten, es ist pottdicht im Regen, und seinen ersten Sturm – ähnlich dem oben beschriebenen – wetterte es auch ab. Seine Details sind gut durchdacht, seine Fensterfronten machen es hell und einladend, seine Schlafkammern mit herauszippbarer Trennwand sind geräumig. Natürlich ist es größer im Packmaß und schwerer, ich habe ja schon erklärt, dass es diesmal nicht darum ging, ein Fahrradzelt zu suchen. Aber die gut verarbeitete Tasche über die Wiese zu tragen ist jedenfalls kein Problem.

Specs: 4,85 x 3,60 m, Gewicht 18,2 kg, 3.000 mm Wassersäule Zelt, 10.000 mm Boden.

Reviews aus der Vergangenheit: Our Planet Zelte

Unsere diesjährige Campingtour wird voraussichtlich eine Veränderung mitbringen: da unsere Kinder größer werden, und wir seit letztem Jahr zum Transport von „Pütt und Pann“ und den Fahrrädern einen Kleinbus nutzen, haben wir viel Platz, und unser Zelt ist uns zuletzt ein wenig zu klein geworden, so dass wir uns nach einem größeren Familienzelt umsehen.

Genau das gibt mir aber Gelegenheit, liebevoll auf unsere beiden Zelte der Vergangenheit zurückzublicken: Die Our Planet Zelte Cantana 3 und Cordilliera 4.

Our Planet Cantana 3

2003 für unser erste Schweden-Fahrradreise angeschafft, sollte das Cantana 3 ein Leichtgewicht von anständiger Qualität für 2 Personen werden, und genau das wurde es auch.

Our Planet Cantana 3

Mit 3,5 kg ist es wahrlich ein Leichtgewicht, und die nominell drei Schlafplätze sind – diese Formel gilt ja meistens – geräumig für zwei Personen. Wie alle Zelte, die wir kennen von Our Planet, der Eigenmarke, die der „Oudoor-Schotte“ McTrek heute leider nicht mehr anbietet, war die Qualität trotz des ausgezeichneten Preises hervorragend und ist es vor allem bis auf etwas ausgebleichte Farben auch noch heute, elf Jahre später. Sturmsicher, pottdicht, leicht auf- und abzubauen. Gut verarbeitet. Passgenaues Alugestänge.

Our Planet Cordilliera 4

Was soll ich sagen, es kamen Kinder hinzu, und unser Bedarf an Zeltfläche wuchs. Vier Menschen mussten untergebracht werden, und in der Apsis sollten nicht nur ein paar Packtaschen stehen, man wollte dort auch einmal hocken, um auch bei Regen eine Mahlzeit einzunehmen. Trotzdem blieb das Cordilliera 4 vom selben Hersteller ein Radfahrerzelt, mit 5,3 kg weiterhin bequem auf den Gepäckträger zu klemmen. Es bietet mit 2,50 m x 4,20 m zwei Erwachsenen und zwei Kindern guten Platz, für vier Erwachsene würde ich es wiederum nicht unbedingt nehmen, da sich die vier Isomatten am Fußende auch leicht überlappen müssen. Stehhöhe ist in dieser Klasse einfach nicht zu erreichen, mit 1,50 m immerhin bequeme Sitzhöhe. Alles oben Gesagte zu Qualität, Dichte und Haltbarkeit gilt auch bei diesem Modell, es ist seit 2007 bei uns und hat viele Reisen mit Kindern schadlos überstanden.

Our Planet Cordilliera 4

Our Planet Cordilliera 4

Was mit Kleinkindern groß wie ein Ballsaal war, ist es mit einer Zehnjährigen und ihrem Bruder nicht mehr ganz so. Die 20 Kilo eines Familienzeltes würde man niemals auf ein Fahrrad aufladen, im Auto sind sie unbedeutend. Deshalb blicken wir nach vorn auf etwas Größeres, bis die Kinder mit uns zusammen wieder reine Radtouren machen. Und dann werden sie sicher noch einmal ausgepackt: beide Zelte zusammen.

biede Zelte

‚I know what I’m doing‘: Motorist pulling thirty-tons box through inner city insists he WASN’T putting people in danger

The last time I went to London I observed the most curious device: A motorist had an enormous steel box attached to the rear of his car. It was probably 8 ft wide, wider than most cars, 8 ft high, higher than any car, and 40 ft long, as long as a bus. The car with the box must easily have weighed 30 tons – as much as 300 cyclists with their bikes. He was pulling the contraption, which barely enabled him to see more than through his front windshield, through the inner city at rush hour.

When I enquired with a road safety police officer he told me they ‚knew what they were doing‘. Apparently people had been carrying goods in those ‚HGVs‘ on this route for years, and he probably thought the annoying tourist was ‚unfair‘ on motorists. He insisted they WEREN’T putting people in danger.

Since my return from London, six cyclists have died in London in just two weeks. They were run over by HGV trucks, lorries, and buses, often in their own separate bike lanes. While the above encounter (including the capitalization) is a fictitious response to a quite outrageous Daily Mail article, the rate of accidents is very much real, making it obvious where the dangers lie, and where to look to improve the situation.

A cargo bike, apparently a rare sight in central London
A cargo bike, apparently a rare sight in central London

London, like many other places, has recently experienced a bike boom, and cyclist-friendly mayor, Boris Johnson, is now struggling to turn his multi-million-people city around like a sluggish supertanker, reacting to the increased demand for cycling safety. When he erected bicycle lanes, people complained that they were merely „blue lines painted on the road“ and this was insufficient. When cyclists stop on the inside of HGVs, in the drivers‘ blind spot, „they may well have the right to be there“, as acknowledged by Met Traffic Command chief Jones, but they are maimed anyway. And the current approach of Johnson and Jones – increased police presence allegedly seeking for reckless drivers and riders alike, yet stopping 70 lorries and 100 cyclists – is a desperate measure and is looking in the wrong places.

The fact is, and it is the same in London or Düsseldorf,

  • that city traffic is on the verge of collapse,
  • that any cyclist is one less car and therefore actively helping relax this threat scenario,
  • that all we have to stop each other from killing us is a feeble construction of rules, lines, white or blue alike, and blinking lights that barely anyone is following,
  • and while any participant not following those rules is a troublemaker, a truck of 30 tons IS putting people in danger, a cyclist on a bakfiets is only a threat to himself.

Warner Brothers Studio Tour, ein Erlebnis für Harry-Potter-Fans

Wir wissen nicht mehr genau, wann die Buchreihe „Harry Potter“ Einzug in unser Leben hielt. Ich erinnere mich aber an eine Fahrradreise durch Schweden im Sommer 2003, während der der Band „The Order of the Phoenix“ erschien. In jenen Jahren gab es richtige Launch Partys, bei denen Fans unter großem Presserummel um Mitternacht des Stichtags das neue Buch präsentiert wurde. Wir dagegen hielten uns in ländlicher Gegend Südschwedens auf und waren froh, in den Tagen darauf (am Erscheinungstag war Midsommar und natürlich alle Geschäfte geschlossen) und der einzigen Buchhandlung einer Kleinstadt den Band tatsächlich zu erhalten. Wir fuhren nicht viel Fahrrad in den nächsten Tagen, sondern hockten im Zelt und lasen das Buch in abwechselnden Schichten. Unsere Kinder waren damals noch nicht einmal geboren, heute mit sieben und neun Jahren sind auch sie begeisterte Leser der Bücher.

Gewaltige optische Erlebnisse sind natürlich die dazu gehörigen Filme, die zwischen 2001 und 2011 entstanden, und den Weltrang von Joanne K. Rowling ebenso festigten wie den von Daniel Radcliffe und Emma Watson. Dabei sind vor allem zwei Dinge besonders an ihnen: Erstens wurden die Filme von Hollywoodrang komplett in England produziert, und zweitens wurde von den epischen Spezialeffekten verblüffend viel nicht am Computer, sondern Im Richtigen Leben, in Modellen und Animatronic, umgesetzt.

Und deshalb haben Warner Brothers in Watford bei London die Möglichkeit genutzt, nach Abschluss der Produktion aus den nicht länger benötigten Requisiten in den Studiohallen eine gewaltige Fanausstellung zu machen: die Warner Brothers Studio Tour. Ein Tour Guide sagte mir „ich war in Hollywood in den großen Studios, und sie hatten gar nichts wie wir hier, das sie vorführen konnten.“

Womit wir ins Spiel kommen: Englandreise, Harry-Potter-Fans groß und klein, logische Folge: Die Studiotour muss angesehen werden!

Shuttlebus

Und so standen wir am Morgen des 29. August um 9 Uhr 54 in Leavesden und nahmen unsere Audio Guides (dazu später mehr) in Empfang. „Are you quite calm?“ fragte mich der freundliche Junge am Ausgabeschalter. Er musste mir angesehen haben, dass ich eben gar nicht ruhig war – dass wir hier waren, mit unseren Eintrittskarten, genau wenige Minuten vor unserem eingeräumten Eintrittstermin, hatten filmreife finstere Mächte mit allerlei Tücken wie ausgebuchten Karten, abstürzenden Heißluftballons und in die Irre gehenden Navis zu verhindern versucht. Jetzt aber, jetzt war ich ganz ruhig.  Warner Brothers Studio Tour, ein Erlebnis für Harry-Potter-Fans weiterlesen

Lust auf Premium Urlaub – Ferien am Wörthersee

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Manchmal bedaure ich es, dass die Kinder gerade noch etwas zu klein sind, um eine richtige Campingreise mit den Rädern zu machen. Dabei gibt es viele andere Arten, Radfahren und Kinder im Urlaub unter einen Hut zu bringen, sportliche und gemütliche, luxuriöse und budgetorientierte.

Familienradeln am Wörthersee

Wenn man eher Lust auf Premium Urlaub hat, aber trotzdem etwas Sportliches machen will, bieten sich die 4 und 5 Sterne Hotels am Wörthersee an. Dann kann man es sich im Rahmenprogramm gut gehen lassen, und dann losradeln: Nach einem herrlichen, stärkenden Frühstück gemütlich durch die Landschaft rollen mitsamt den Kindern ist ebenso drin wie verschärftes Mountainbiken, während die Kids im Sommersportcamp „Kid’s Se(e)nsation“ betreut werden, oder mittwochs auf Piratenschifffahrt mit Kapitän Blaubart gehen. Wenn die eigene Kondition noch Optimierungspotential aufweist, kann man sich mit einem elektrisch unterstützten „movelo“ anschieben lassen. Genussradler oder Rennradler, eigenes Rad auf dem Heckträger mitgebracht oder passende Räder, auch für Kinder, direkt am Hotel gemietet – es ist für jeden etwas dabei.

Radfahren am Wörthersee

Und abends heißt es dann wieder Urlaub auf höchstem Niveau, wenn die Top Hotels am Wörthersee mit Wellness und Sterneküche mit Seeblick den Tag ausklingen lassen. Denn die Landschaft, die ist mit Geld nicht zu bezahlen und doch immer im Preis inbegriffen.

Seeblickdinner am Wörthersee

Wer noch spontan günstige Angebote sucht, findet sie hier: z. B. aktiv entspannen oder Wellness, oder 4 Nächte zum Preis von 3. Welche Unterkünfte noch frei sind, kann man hier checken: einfach den Schieber am oberen Seitenrand auf den gewünschten Zeitraum einstellen! Alle Angebote erreicht man auch von der Startseite: viele nützliche Links führen von dort weg, selbst zu so exotischen Seiten wie „hurra, es regnet“ mit eigenem Infofolder – als wenn das im Augenblick vorstellbar erschiene…

Premium Hotels Wörthersee

Ob man seinen Urlaub eher umweltgerecht gestalten will, liegt in der Hand des Einzelnen. Die Möglichkeiten sind da: Wo das Mietradangebot gut ist, kann man mit der Bahn anreisen, Bioküche in vielen Hotels und Restaurants genießen, einen Besuch im Biosphärenpark Nockberge unterbringen… Ich finde es immer wichtig, dass ökologisches Verhalten und Komfort sich eben auch nicht ausschließen.

Klar, dass es auch eine likenswerte Facebook-Seite und einen Youtube-Channel gibt, bei dem allerdings noch was geht.

Das Freie Radfahren in der Stadt der Liebe

Wir haben fünf Tage Städteurlaub in Paris gemacht, der Stadt der Liebe, und der Vélibs, der Freien Fahrräder. Eine schöne Stadt, eine, die ich irgendwie immer mit unglaublich vielen Autos assoziiere, die unglaublich elegant umeinander herumkurven, sich auch von gelegentlichen Beulen nicht aus der Nonchalance bringen lassen, während die Fahrer in der betagten Ente genüßlich an ihrer Gauloises ziehen. Ihre Radfahrer haben alle ein Baguette im Lenkerkorb und profitieren von derselben Nonchalance. Stimmt so? Ganz anders, trotzdem irgendwie doch so, wie ich feststellte.

Fangen wir mit dem Konzept Vélib an: Dieses Stadtfahrrad steht überall zur Verfügung, zwar muß es an einer Station gelöst und abgegeben werden, doch die sind so omnipräsent wie die Bäckereien, von denen angeblich Napoleon verfügte, kein Parisien müsse weiter als 300m laufen, um an ein Baguette zu kommen. Die erste halbe Stunde ist gratis.

Vélibs in ihrer Leihstation. Kunde sein muß man aber schon.

Beschwingt verließ ich also unsere Ferienwohnung, um an einer solchen Station ein Fahrzeug zu erstehen und loszudüsen. Das Terminal ließ sich auf Englisch umstellen (mein Französisch ist mehr so so-so), und fragte mich nach meiner Kundennummer. Moment mal, Kundennummer? An diese kleine Voraussetzung hatte ich nicht gedacht, unsere Düsseldorfer Nextbikes bucht man telefonisch, das geht auch als Neukunde.

Nun bietet uns das 21. Jahrhundert Smartphones, und fast jedes Café in den Straßen von Paris gratis WLAN, ich mußte also nicht weit laufen, um Kunde zu werden, ohne teuer zu roamen. Statt der kostenlosen halben Stunde entscheide ich mich für die Tageskarte für sensationell günstige 1,70 €, und kann jetzt das Rad auslösen. Mit einem satten „Klack!“ fällt es aus der Halterung, in die es statt eines Schlosses einfach mit einem Bolzen vorn am Rahmen reingeschoben wird, und steht vor mir.

Mein Vélib, im Hintergrund gut sichtbar eine Busspur mit Fahrradnutzung.

Sattelhöhe justiert und losgefahren im Sonnenschein. Trotz seines beachtlichen Gewichts fährt es angenehm mit Dreigang-Nabenschaltung und Nabendynamo. Statt eines Gepäckträgers hat es den besagten Lenkerkorb für das Baguette.- Übrigens, eine Flotte von Servicepersonal ist stets unterwegs, die Räder technisch auf Zack und den Reifendruck à jour zu halten.

Nach kurzer Fahrt auf kleinen Seitenstraßen schwenke ich in die erste Hauptstraße ein. Das ist gar nicht so schwierig, denn fast überall dürfen wir Radfahrer die Busspur mitbenutzen, an mancher Ampelkreuzung haben wir eine Box vor der Haltelinie, oder eine eigene Radfahrerampel. Dass wir Radfahrer speziell geschätzt werden, ist zwar nicht gerade mein Eindruck, aber es gibt wohl wirklich diese Nonchalance, diese tiefenentspannte Haltung, die auch im Straßenverkehr greift, und die bedeutet, dass man irgendwie elegant umschifft und auch selbst durchgelassen wird. Man muß sich gewisse Ansprüche aber auch nehmen, in eine Spur voller Autos einzuschwenken, auch einmal  links abzubiegen, wo es nicht erlaubt ist, alle anderen es aber auch tun. Ich gerate in einen Kordon von 2VCs (die „Ente“ ist hier aber auch ein Museums-, kein Alltagsfahrzeug mehr) und schwimme lustig mit.

Google Maps nölt aus meiner Tasche, für meinen zuvor abgesteckten Kurs hätte ich hier rechts abbiegen sollen, aber ich folge lieber dem großen Boulevard und werde am nächsten Platz mit einem Blick auf den Eiffelturm in der Ferne belohnt, den Kreisverkehr nehme ich einfach zweimal. Oh, ein kleiner Glaspalast mit Säulen davor, es ist eine Autolib-Station, das Äquivalent zum Leihen von Elektroautos. Google hat sich jetzt neu orientiert und lenkt mich in eine Art kleinen Triumphbogen zwischen zwei Häusern, hier dürfen mir die Autofahrer leider nicht folgen. Ein einheimische Radfahrer glaubt, mich mit dem Leihrad als Gelegenheitsradler locker abhängen zu können, aber ich kann einiges aus dem Gerät herausholen, eine Weile flitzen wir nebeneinander her, bis er rechts abbiegt.

Eiffelturm in der Ferne

Am Ziel angekommen, stelle ich mein Rad einfach ab, das Ausbuchen geschieht automatisch. Leider stand an dieser Station kein weiteres Rad bereit, sofort kommt jemand und leiht meins aus. Wollte ich später weiterfahren, hätte ich hier das Nachsehen, aber meine Testfahrt ist beendet.

Wir haben’s getan

Wir haben uns von den kleinen und kleinsten Alltagstücken hinreißen lassen und uns auch der Gilde der Motoristen angeschlossen. Neu steht bei uns der „Poschi“ (schweizerisch für Postauto) in der Ausfahrt, ein Kleinbus mit Schlafdach und hoffentlich bald dem richtigen Träger, um alle vier Fahrräder mitzunehmen.

Der unmittelbar bevorstehende Sommerurlaub gehört zu diesen kleinen und kleinsten Tücken dazu, und zwar eher zu den größeren darunter: Eine Bahnreise quer durch die Republik mit zwei Kindern, vier Fahrrädern und Gepäck ist einfach mehr als nur ein bißchen unbequem. Solche Touren sind es, die wir auf dem Kieker haben, nicht die Fahrt zum Supermarkt um Milch zu holen oder das Einreihen in die Schlange derer, die ihre Kinder von der Schule abholen.

Indem der Wagen in der Ausfahrt stand und ich daran so allerlei herumzubosseln hatte, begann ein bizarres Ritual: Einer nach dem anderen kamen die Freunde und Nachbarn vorbei, um „Auto zu gucken“, um zu fachsimpeln und zu besprechen. Und sie taten allesamt etwas Merkwürdiges, mit dem ich irgendwie nicht so gerechnet hatte: Sie beglückwünschten mich, dass wir jetzt endlich auch ein Auto hätten. Weil wir eben, getreu der alten Statussymbolfalle, vorher irgendwie nicht komplett waren, uns etwas gefehlt hatte, wir endlich einem Mißstand abgeholfen hatten.

So sehen es die Leut‘, allesamt, nur eine einzige sah es anders: eine radfahrende Dame von der Verbraucherzentrale meinte, es sei ja schade, dass noch ein Dieselstinker mehr dazugekommen sei, und wir es nicht geschafft hätten, unseren Fahrrad-Lebensstil durchzuhalten. Nun, der rufe ich zu, dass es hoffentlich nicht ganz so schlimm kommen wird. Und neu, also extra für uns gemacht, war der Poschi nun auch wieder nicht.