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Radfahrtraining

Die Schultochter hat diese Woche Radfahrtraining. Von der Verkehrswacht ausgerufen, von Eltern und Lehrern betreut, sollen die Kinder an 2 Vormittagen à 2 Schulstunden verkehrsrichtiges Verhalten lernen, am Ende der Grundschule dann mit einer „Radfahrprüfung“ abschließen. Ich war dabei.

Etwas mehr als 30 Kinder finden sich begeistert johlend auf dem Schulhof ein. Die meisten haben eigene Räder und Helme mit. Für den Rest stellt die Verkehrswacht einen Anhänger mit einem Dutzend Rädern und einem großen Karton voll Helmen bereit. Schon der erste Eindruck offenbart ein breites Spektrum: gefühlte 40% der Kinder sind sehr sichere Radfahrer, beherrschen ihr Rad beim Fahren, gewagten Herumkurven und Bremsen auf den Punkt, handgestoppte 10% bilden das untere Ende der Skala, sie können praktisch noch nicht radfahren. Das Mittelfeld kann relativ sicher geradeaus- und in Kurven fahren, zum Stillstand kommen, eine Hand kurz vom Lenker nehmen.

Die mitgebrachten eigenen Räder sind zu ca. 50% verkehrssicher, die andere Hälfte ist entweder abenteuerlich ausgestattet oder als Fun-Bike gar nicht für den Verkehr vorgesehen, hat also z. B. keine Lichtanlage. (Bei achtjährigen Kindern ist das ja auch noch akzeptabel, wenn sie mit diesen Gefährten eben nicht auf der Fahrbahn fahren.) Immerhin ca. ein Drittel hat Nabendynamos. Die Mehrzahl der Kinder hat einen Helm, davon die überwiegende Mehrzahl ist in brauchbarem Zustand und leidlich gut eingestellt und aufgesetzt. Es gibt ein paar „Cowboyhüte“ und sicher zu viele zu lockere Kinnriemen. (Bei diesem Hardwareüberblick gebe ich noch mit: es handelt sich um eine Schule im „gutbürgerlichen“ Umfeld, wo beim nachmittäglichen Abholparcours Audi, Mercedes und BMW vorherrschen, ähnlich nichtrepräsentativ ist sicher auch die Fahrradausstattung.)

Die Räder und Helme der Verkehrswacht sind auch interessant: Fast alle sind nur 20″ groß, einige der Mädchen sind aber schon viel höher aufgeschossen und kaum auf einem solchen Rad unterzubringen. Gerade mal ein Jahr ist es her, dass wir für die Tochter beim Fahrradkauf noch zwischen 20″ und 24″ schwankten… Die Helmsammlung ist eher abenteuerlich. Werkzeug, auch nur eine Pumpe, fehlt, aber immerhin sind die Räder gut gewartet.

Auf dem Parcours werden Stationen aufgebaut: Slalom, eine 8 fahren, unter einer Stange hindurchbücken, fahrend einen Ball in die Hand nehmen und fahrend in einen Eimer abwerfen, Theorie der verkehrssicheren Ausstattung. Das Beherrschen des Fahrrads steht im Vordergrund, auf der Teilnahme am Straßenverkehr und Verkehrsregeln liegt bei Achtjährigen noch nicht das Hauptaugenmerk. „Machen, was die Erwachsenen sagen“, eigentlich ein allgemeingültiges Schulfach, beim gemeinsamen Fahren im Straßenverkehr aber auch sehr wichtig, bedarf noch einiger Übung.

Aus der Beobachtung nehme ich für den Straßenverkehr eine wichtige Lektion für mich mit: Tatsächlich sind selbst die Besseren unter den kindlichen Radfahrern noch nicht in der Lage, zuverlässig auf ihr Rad und auf den Verkehr zu achten. Kommt während einer Übung ein Kind zu Fall, krachen nachfolgende Kinder unweigerlich hinein. Sie schauen auf den Ball, auf andere Kinder, konzentrieren sich auf den Bremsgriff, und sehen nicht, was unmittelbar vor ihnen passiert. Meine Einschätzung, unsere Kinder als ziemlich sichere Radfahrer könnten in naher Zukunft auch einmal unbegleitet aufbrechen, habe ich erheblich revidiert. Es bleibt sicher bei dem, was wir zur Zeit auch machen: Sie fahren, wir achten für sie auf den Verkehr, sie folgen unseren Anweisungen.

car2go und DriveNow, Mobilitätskonzepte im Vergleich

Fast zeitgleich starten bei uns in Düsseldorf zwei neue Mobilitätskonzepte: car2go und DriveNow. Sie unterscheiden sich von denen, die es bisher gab, vor allem durch eins: Sie haben keinen monatlichen Grundpreis, sondern nach einmaliger Registrierungsgebühr wird das Nutzen der Fahrzeuge komplett über einen Minutenpreis abgewickelt.

Solche Konzepte sprechen also vor allem die Wenigfahrer wie mich an, die manchmal monatelang kein Auto brauchen, aber dann doch einmal. Etwas merkwürdig für mich sind dafür die Fahrzeuge: Bei car2go ist nur der Smart im Angebot, bei DriveNow kann ich wählen – zwischen einem Mini und einem BMW 1er. Von diesen Fahrzeugen  erfahre ich, dass sie Sportsitze, USB-Audio und Xenonlicht haben, aber nicht, was für einen Kofferraum sie bieten. Keines hat Kindersitze (der Smart hat bekanntlich eh‘ nur 2 Plätze). Das Geschäftsgebiet von DriveNow reicht nicht bis in die Außenbezirke, wo ich wohne, das von car2go immerhin genau bis zu meiner Straßenecke. Da steht aber in der App trotzdem kein Auto, und ich habe auch draußen noch keins gesehen.

Die Autos sind also eher für den kleinen Shop-Hop in die City gedacht, und haben dort einen unschlagbare Vorteil: Sie parken durch einen Rahmenvertrag mit der Stadt kostenlos. Will ich aber ein Sofa von IKEA holen, stehen sie mir nicht wirklich zur Verfügung. Will ich einen Ausflug mit den Kindern aufs Land machen, ist der Preis prohibitiv, das bietet sich also auch nicht wirklich an (und natürlich kann man in solchen Kleinwagen keine Räder mitnehmen).

Zu einer wirklich ansprechenden Lösung hat sich die Stadt Düsseldorf mit car2go, der Rheinbahn und dem Fahrradverleih Nextbike zusammengefunden: für 75 Euro im Monat gibt es „Mobil in Düsseldorf„, das Ticket 1000 (regulär kostet es 54 Euro), dazu 90 Freiminuten monatlich car2go (entspricht also 24 Euro) und 4 Freistunden täglich Nextbike (die würden 1 Euro pro Stunde kosten). Jedes der genannten Verkehrsmittel steht im Innenstadtbereich überall zur Verfügung, so kann der Pendler wirklich in jedem Moment, abhängig von Wetter und Laune, wählen, wie er sich fortbewegt: Raus aus dem Bus, rauf aufs Fahrrad, bei Regen rein ins Auto, ist absolut denkbar.

Danke für die Warnung

Der Düsseldorf-Rather Hülsmeyerplatz ist ein verkehrstechnischer Knoten par excellence. Bus, Straßenbahn, Fuß- und Radwege und eine fünfzackige Autokreuzung wuseln übereinander, Schulen, Kindergärten, Supermärkte liegen rundherum. Und zweimal die Woche ist auch noch Markt.

Klar, dass es da nicht immer richtig läuft. 15× in den letzten vier Jahren ist es nicht richtig gelaufen, kam es zu Unfällen. So häufig, dass man vor einem Jahr die Verkehrsführung ganz umgekrempelt hat, besser, aber noch nicht gut. Deshalb wollte man jetzt warnen, mit einer Schwerpunktaktion der Polizei. Da waren letzte Woche Beratungsbusse, Uniformierte, Zivilbeamte, große Aufstellschilder usw. usw.

Nach einem Tag ist der große Wind verhallt, nur die warnenden Aufsteller blieben. Und wo stehen die jetzt wohl? Mitten auf dem Fahrradweg. Die Ironie, mit dem Fahrrad nachts gegen ein unbeleuchtetes Warnschild mitten auf dem Radweg zu semmeln, ist leider an mir verloren…

Global Biking Initiative 2011 auf Tour

Die Jungs von Vodafone berichten nicht ohne Stolz vom erfolgreichen Start ihrer diesjährigen „Global Biking Initiative„, die 5 Tage lang von den Niederlanden nach Düsseldorf radelt und dabei Spenden sammelt. Am Freitag am Düsseldorfer Seestern kann man sie begrüßen, wer sich angemeldet hatte, kann auch die letzte Etappe mitradeln und mitfeiern.

Beeindruckend dabei: Teilnehmer aus dem Vodafone-Mitarbeiterlager kommen auch aus so typischen Fahrradländern wie Katar, Ghana oder Ägypten.

Der arme Poet in der Radstation

Lange, lange hat es gedauert, bis wir in Düsseldorf die Radstation bekamen. Jetzt ist sie da, seit anderthalb Jahren, und es tropft durch die Decke wie bei Spitzwegs „armem Poeten“, die abgestellten Räder verrosten.

Die Radmechaniker der Zukunfstwerkstatt reparieren aus Kulanz die Rostschäden an den Kundenfahrrädern. Der eigentlich Verantwortliche, die Stadt als Erbauer, sucht derweil das Gespräch mit dem Parkhaus über ihnen, von dem die Nässe ausgeht.

Europäische Mobilitätswoche

„Travel smarter, live better“ ist das Motto der europäischen Woche der Mobilität von heute bis zum 22. September. Auswirkungen zu hoher Auto-Mobilität, die EU-Umweltkommissar Potočnik beklagt, reichen von Unfällen und Umweltverschmutzung  zu erhöhter Fettleibigkeit. Städte und Gemeinden sind deshalb zur Projektwoche aufgerufen, um gemeinsam etwas zu unternehmen.

Die Beteiligung von 1.798 europäischen Städten findet leider wieder überwiegend außerhalb Deutschlands (50) statt, interessanterweise teils auch außerhalb Europas (Argentinien, Ecuador, Kanada, Japan). Österreich hat Projekte in 425 Städten laufen, Spanien in 379. Wer’s nicht nötig hat, hat’s halt nicht nötig: das bereits fahrradfreundliche Dänemark macht gar nicht mit, und die Niederlande lassen nur Haarlem auflaufen. (Münster und Bremen sucht man denn auch auf der Liste der in Deutschland teilnehmenden Städte vergebens, ebenso wie meine Heimatstadt, die „fahrradfreundliche Stadt in NRW“ – deren Schulamt macht aber zumindest einen Tag zum Thema „Pedibus“, also Zu-Fuß-zur-Schule.)

Dabei geht es natürlich nicht nur um Radfahren, sondern gerade in Argentinien oder Ecuador eher um ÖPNV, also Busse. Worum es in Japan geht, ist nicht leicht zu ermitteln, da die öffentliche Bewerbung an diesem europäischen Event tatsächlich auf japanisch abgedruckt ist.

Gipfelpunkt soll „In Town Without My Car!“ am 22. September sein, eine Gesamtveranstaltung, für die teilnehmende Städte Teile ihres Innenstadtbereichs für den Autoverkehr sperren und dort statt dessen ein Festival machen sollen. Es reicht aber auch schon, irgendwo 50m Busspur neu anzulegen, um es auf die Liste zu schaffen. Viele deutsche Städte hatten Projekte im Rahmen der Kampagne Stadtradeln, und haben diese angemeldet. Die meisten Städte der Topländer Österreich und Spanien wurden leider wohl nur „massengemeldet“, ohne irgendwelche Details ihres Programms anzugeben.

Neue Radstation in Ratingen-Ost

Es war schon lange eine Radstation am S-Bahnhof Ratingen-Ost, viel länger als in der großen und selbsternannt fahrradfreundlichen Nachbarstadt Düsseldorf. Langzeitarbeitslose erhielten dort eine Chance auf Wiederintegration, und Radler eine auf Wartung und Aufbewahrung. Nur: es sah nicht so schick aus, wie man es an anderen Stellen schon mal erlebt hatte, und es war recht beengt. Es muffte eben ein wenig nach, nun ja, Sozialdienst Katholischer Frauen, denn ausgerechnet der war der Träger.

Das ist jetzt anders. Jetzt ist alles schick und geräumig, wie das folgende Video von Center-TV zeigt. Jetzt wird es ein Genuß, sein Rad in die Hände der katholischen Frauen zu legen – von denen kenne ich übrigens einige, die radfahren können…

Diskussion im Forum.

Radstation in Düsseldorf

So lange ich schon in Düsseldorf radle, verfolge ich das Hickhack um die „Vaporware“ Radstation am Hauptbahnhof. Jetzt ist sie, fast zur allgemeinen Überraschung, Realität geworden. Gestern hat OB Elbers sie eröffnet. 500 Radler, Pendler oder nicht, können dort für 0,70 €/Tag ihr Rad trocken und bewacht verwahren, Dauerkarten sind entsprechend gestaffelt zu haben. Die „Zukunftswerkstatt“ ZWD bietet zudem Reparatur- und Reinigungsservice sowie Vermietung an. (Vermietung haben wir in Düsseldorf freilich schon mit „Nextbike“ abgedeckt.)

Rheinische Post
Center-TV (Video)

Stadt

ADFC Düsseldorf (hat heute noch nix dazu)

Diskussion im Forum.