Mach mal einen Punkt, Ferrero: Unsere .kinder gehören uns

Mit Schrecken lese ich bei Heise, dass Ferrero wieder kämpft, diesmal um die neue generische Top Level Domain .kinder. Das ist nicht neu, der Kampf wurde schon vor anderthalb Jahrzehnten um einzelne Domänen (also den „Mittelteil“ vor der Endung wie z. B. .de oder .com) geführt und im allgemeinen im deutschsprachigen Raum verloren, so gehört Ferrero zwar kinder.it oder kinder.fr, aber weder kinder.de noch kinder.at oder kinder.ch, denn „auch der hohe Bekanntheitsgrad der Marke ‚kinder‘ vermag nichts daran zu ändern, dass unter ‚kinder‘ in erster Linie junge, minderjährige Menschen verstanden werden und nicht Lebensmittel“, so entschied das österreichische Gericht den Streit um kinder.at.

Am liebsten hätte Ferrero den Schutz ja für jede Nennung des Worts Kinder (z. B. Zahnbürsten, zumindest aber Süßigkeiten), während die gefühlte Wahrheit hier in Deutschland ganz anders aussieht: Persönlich anerkenne ich eigentlich nur das Traditionsprodukt Kinder-Schokolade als von der allgemeinen Lebenserfahrung gedeckt, schon die Werbung für „Kinder-Überraschung“ kann nicht verhindern, dass die Nutzerin an ein generisches Überraschungsei denkt. Bei den Top Level Domains, die jetzt eben neu auch mehr sind als nur Länderbezeichnungen oder, im Heimatland des Internet, .com/.net/.org, geht es also wiederum um Marken vs. generische Begriffe, „closed generics“, bei denen die Amerikaner wieder nur an Beispiele wie .books (hätte Amazon gern) oder .car denken. Solche sollen dann nicht einem Quasi-Monopolisten zur alleinigen Nutzung offen stehen, sondern jeder soll sich darunter registrieren können. Ich kenne einige, die sich vermutlich zusammen mit mir um family.bike Gedanken gemacht haben, wie familyonabike.com, familyonbikes.com oder fietsenmetkinderen.nl, die uns damals auf den eigenen Namen brachten (aber gelandet ist sie wieder mal nur als Parkdomain bei Internetwegelagerer GoDaddy). Wie so oft haben die Amerikaner bei generischen Begriffen aber nur bis zur Nasenspitze ihrer eigenen Sprache gesehen, hier in Deutschland war niemand wach, und jetzt ist der Deutsche Kinderschutzbund empört. Kleinere Websites wie diese müssen derweil erleichtert sein, dass Ferrero nichts mit Fahrrädern macht…

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