Das Freie Radfahren in der Stadt der Liebe

Wir haben fünf Tage Städteurlaub in Paris gemacht, der Stadt der Liebe, und der Vélibs, der Freien Fahrräder. Eine schöne Stadt, eine, die ich irgendwie immer mit unglaublich vielen Autos assoziiere, die unglaublich elegant umeinander herumkurven, sich auch von gelegentlichen Beulen nicht aus der Nonchalance bringen lassen, während die Fahrer in der betagten Ente genüßlich an ihrer Gauloises ziehen. Ihre Radfahrer haben alle ein Baguette im Lenkerkorb und profitieren von derselben Nonchalance. Stimmt so? Ganz anders, trotzdem irgendwie doch so, wie ich feststellte.

Fangen wir mit dem Konzept Vélib an: Dieses Stadtfahrrad steht überall zur Verfügung, zwar muß es an einer Station gelöst und abgegeben werden, doch die sind so omnipräsent wie die Bäckereien, von denen angeblich Napoleon verfügte, kein Parisien müsse weiter als 300m laufen, um an ein Baguette zu kommen. Die erste halbe Stunde ist gratis.

Vélibs in ihrer Leihstation. Kunde sein muß man aber schon.

Beschwingt verließ ich also unsere Ferienwohnung, um an einer solchen Station ein Fahrzeug zu erstehen und loszudüsen. Das Terminal ließ sich auf Englisch umstellen (mein Französisch ist mehr so so-so), und fragte mich nach meiner Kundennummer. Moment mal, Kundennummer? An diese kleine Voraussetzung hatte ich nicht gedacht, unsere Düsseldorfer Nextbikes bucht man telefonisch, das geht auch als Neukunde.

Nun bietet uns das 21. Jahrhundert Smartphones, und fast jedes Café in den Straßen von Paris gratis WLAN, ich mußte also nicht weit laufen, um Kunde zu werden, ohne teuer zu roamen. Statt der kostenlosen halben Stunde entscheide ich mich für die Tageskarte für sensationell günstige 1,70 €, und kann jetzt das Rad auslösen. Mit einem satten „Klack!“ fällt es aus der Halterung, in die es statt eines Schlosses einfach mit einem Bolzen vorn am Rahmen reingeschoben wird, und steht vor mir.

Mein Vélib, im Hintergrund gut sichtbar eine Busspur mit Fahrradnutzung.

Sattelhöhe justiert und losgefahren im Sonnenschein. Trotz seines beachtlichen Gewichts fährt es angenehm mit Dreigang-Nabenschaltung und Nabendynamo. Statt eines Gepäckträgers hat es den besagten Lenkerkorb für das Baguette.- Übrigens, eine Flotte von Servicepersonal ist stets unterwegs, die Räder technisch auf Zack und den Reifendruck à jour zu halten.

Nach kurzer Fahrt auf kleinen Seitenstraßen schwenke ich in die erste Hauptstraße ein. Das ist gar nicht so schwierig, denn fast überall dürfen wir Radfahrer die Busspur mitbenutzen, an mancher Ampelkreuzung haben wir eine Box vor der Haltelinie, oder eine eigene Radfahrerampel. Dass wir Radfahrer speziell geschätzt werden, ist zwar nicht gerade mein Eindruck, aber es gibt wohl wirklich diese Nonchalance, diese tiefenentspannte Haltung, die auch im Straßenverkehr greift, und die bedeutet, dass man irgendwie elegant umschifft und auch selbst durchgelassen wird. Man muß sich gewisse Ansprüche aber auch nehmen, in eine Spur voller Autos einzuschwenken, auch einmal  links abzubiegen, wo es nicht erlaubt ist, alle anderen es aber auch tun. Ich gerate in einen Kordon von 2VCs (die „Ente“ ist hier aber auch ein Museums-, kein Alltagsfahrzeug mehr) und schwimme lustig mit.

Google Maps nölt aus meiner Tasche, für meinen zuvor abgesteckten Kurs hätte ich hier rechts abbiegen sollen, aber ich folge lieber dem großen Boulevard und werde am nächsten Platz mit einem Blick auf den Eiffelturm in der Ferne belohnt, den Kreisverkehr nehme ich einfach zweimal. Oh, ein kleiner Glaspalast mit Säulen davor, es ist eine Autolib-Station, das Äquivalent zum Leihen von Elektroautos. Google hat sich jetzt neu orientiert und lenkt mich in eine Art kleinen Triumphbogen zwischen zwei Häusern, hier dürfen mir die Autofahrer leider nicht folgen. Ein einheimische Radfahrer glaubt, mich mit dem Leihrad als Gelegenheitsradler locker abhängen zu können, aber ich kann einiges aus dem Gerät herausholen, eine Weile flitzen wir nebeneinander her, bis er rechts abbiegt.

Eiffelturm in der Ferne

Am Ziel angekommen, stelle ich mein Rad einfach ab, das Ausbuchen geschieht automatisch. Leider stand an dieser Station kein weiteres Rad bereit, sofort kommt jemand und leiht meins aus. Wollte ich später weiterfahren, hätte ich hier das Nachsehen, aber meine Testfahrt ist beendet.

Dieser Beitrag wurde unter Reisen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.