Wir haben’s getan

Wir haben uns von den kleinen und kleinsten Alltagstücken hinreißen lassen und uns auch der Gilde der Motoristen angeschlossen. Neu steht bei uns der „Poschi“ (schweizerisch für Postauto) in der Ausfahrt, ein Kleinbus mit Schlafdach und hoffentlich bald dem richtigen Träger, um alle vier Fahrräder mitzunehmen.

Der unmittelbar bevorstehende Sommerurlaub gehört zu diesen kleinen und kleinsten Tücken dazu, und zwar eher zu den größeren darunter: Eine Bahnreise quer durch die Republik mit zwei Kindern, vier Fahrrädern und Gepäck ist einfach mehr als nur ein bißchen unbequem. Solche Touren sind es, die wir auf dem Kieker haben, nicht die Fahrt zum Supermarkt um Milch zu holen oder das Einreihen in die Schlange derer, die ihre Kinder von der Schule abholen.

Indem der Wagen in der Ausfahrt stand und ich daran so allerlei herumzubosseln hatte, begann ein bizarres Ritual: Einer nach dem anderen kamen die Freunde und Nachbarn vorbei, um „Auto zu gucken“, um zu fachsimpeln und zu besprechen. Und sie taten allesamt etwas Merkwürdiges, mit dem ich irgendwie nicht so gerechnet hatte: Sie beglückwünschten mich, dass wir jetzt endlich auch ein Auto hätten. Weil wir eben, getreu der alten Statussymbolfalle, vorher irgendwie nicht komplett waren, uns etwas gefehlt hatte, wir endlich einem Mißstand abgeholfen hatten.

So sehen es die Leut‘, allesamt, nur eine einzige sah es anders: eine radfahrende Dame von der Verbraucherzentrale meinte, es sei ja schade, dass noch ein Dieselstinker mehr dazugekommen sei, und wir es nicht geschafft hätten, unseren Fahrrad-Lebensstil durchzuhalten. Nun, der rufe ich zu, dass es hoffentlich nicht ganz so schlimm kommen wird. Und neu, also extra für uns gemacht, war der Poschi nun auch wieder nicht.

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