Stromtankstellen (auch) für Fahrräder

Inspiriert durch eine Diskussion mit der Twitter-Bekanntschaft @Radgaragen, will ich mal ein wenig Überlegungen zum Thema Stromtankstellen sammeln:

Elektrische Fahrzeuge müssen aufgeladen werden, egal, ob sie zwei oder vier Räder haben. Der Ladevorgang ist langwierig, das unterscheidet die „Elektrischen“ von den gewöhnlichen Zweirädern (kein Tank-/Ladevorgang) und den gewöhnlichen Vierrädern (Tankvorgang, geht aber schnell). Eine Stunde wird für E-Räder genannt, das ließe sich prima mit einem Essen oder einem Einkauf verbinden, ich habe aber auch schon 5 Stunden gehört, das paßt eher zu einer Versorgung des Rads am Arbeitsplatz während des Arbeitstags.

Thomas Schmidt vertreibt Radgaragen, und er hat da auch was im Angebot: einen hochwertigen Fahrradständer mit Steckdose. Hochwertig heißt für mich, man kann das Fahrrad (und nicht etwa nur die Vorderradfelge) daran festschließen, und es ist kein Vorderradmörder. Die Steckdose ist kein komplexer Aufbau, wie beim E-Auto, sondern einfach ein handelsüblicher Schweinerüssel. Eine im Beispiel einstündige Ladeeinheit braucht ca. eine halbe kWh, kostet eben einen Groschen. Da braucht man auch keinen komplizierten Abrechnungsmodus, wenn der Kunde gleichzeitig etwas konsumiert, sollte das in der allgemeinen Lebenskostenmarge (in manchen Ländern als „Gedeckzuschlag“ extra erhoben) drin sein, ähnlich wie kostenloses WLAN, das auch mehr und mehr zur Ubiquität wird. Ein Kundenkontoabrechnungsdings, oder selbst ein Münzautomat wären aufwendiger und würden sich nicht rentieren. Will der Wirt den Zugriff kontrollieren, macht er eben im Haus die Sicherung raus und schaltet sie nur auf Anfrage ein.

Eine Stromtankstelle in der Schweiz

Beim Auto ist das schwieriger, es fließen ein paar kWh mehr, deshalb entstehen meßbare Kosten, die abgerechnet werden müssen, und deshalb wird auch meist 3-Phasen-Drehstrom verwendet. Beides ist aufwendiger. Die Düsseldorfer Stadtwerke haben als Denkmodell eine Straßenlaterne zur Stromtankstelle umgerüstet – der „Laternenparker“ entnimmt Strom einfach da, wo eh‘ Strom da ist (die RP berichtet). Man sieht aber schon an den Leserbriefen, daß da Mißtrauen gegenüber Mißbrauch besteht: Was, wenn jemand böswillig oder fahrlässig die Stromleitung manipuliert? Im einfachsten Fall ist das Auto am Morgen nicht aufgeladen, im schlimmsten Fall erleidet jemand einen Schlag (wobei mir klar ist, daß man so eine Freileitung entsprechend absichern muß). Wir erfahrenen Camper kennen das Konzept schon lange (es ist letzlich nichts anderes als irgendeine Steckdose, in die man einen Föhn einstöpselt, sich die Haare föhnt, und gut is‘), aber das Einstöpseln eines Wohnwagens auf dem Campingplatz findet natürlich auch in einem geschützten Umfeld statt, nicht im öffentlichen Raum, wo nachts Betrunkene und marodierende Jugendliche herumziehen.

Wäre nun eine Auto-Stromtankstelle, wenn diese in Zukunft häufiger werden, auch etwas für Radfahrer? Schmidt twitterte mir: „Ja, eigentlich schon. Es gibt aber drei Unterschiede: Beim E-Bike sind es 230V, beim E-Auto oft 400V (230V wären 6-8 Std). Es gibt kaum E-Autos, aber viele E-Bikes. E-Bikes lassen sich schneller aufladen=kurze Pause, E-Autos nachts am eigenen Haus. Die Stromtankstelle für Fahrräder ist daher ein hochwertiger Fahrradständer mit Steckdose, zum schnellen Aufladen des E-Bike“ Den Stromunterschied glaube ich entkräften zu können, das Entnehmen von 230 V aus einer 380-V-Steckdose sollte nur eine Frage eines wohlgeformten Steckers sein. Und die Häufigkeit, nun, die neigt in der Zukunft ja leider immer dazu, sich zugunsten der vierrädrigen Gesellen zu entwickeln. Bleibt der Unterschied im Stellplatz: der Autofahrer braucht einen, der Radler eben nicht, er könnte sich direkt an die Laterne schließen. Und schließlich die Abrechnung, aber da gäbe es auch einen einfachen Weg: der Anbieter könnte die erste halbe kWh Einphasenstrom kostenlos ausgeben, danach würde ein nicht zahlender Anwender abgeschaltet. Die Mißbrauchsgefahr ist gering, ein Autofahrer kommt damit nicht weit, und es lohnt sich für ihn auch nicht, sich stündlich aus- und wieder einzustöpseln. Gäbe eine Tankstelle den ersten Deziliter Benzin umsonst, würde wohl auch keiner fünfhundert Tanken abklappern, um sich eine Tankfüllung zusammenzuschnorren.

Damit so eine Idee umgesetzt werden könnte, brauchen wir Radler eine Lobby. Hmm, liest der ADFC wohl mit?

Diskussion im Forum.

Dieser Beitrag wurde unter Allerlei abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.