Mehr über Zelte: Outwell Nevada M und ein Nachtrag

Ein letztes Mal diente uns das im letzten Artikel beschriebene Our Planet Cordilliera 4 zum Anfang dieser Sommerreise noch als Hauptzelt. Dann endete ein Besuch beim britischen Ausrüster “Go Outdoors” mit dem angedrohten Kauf eines größeren Familienzelts. Gleich mehr zu diesem, doch nicht ohne die Abschlussepisode des Zelts, das sich fortan “unser Mittelgroßes” nennen soll:

Wir hatten den Besuch beim Ausrüster bewusst direkt an den Anfang der Reise gelegt, wir wollten uns nicht mehr lange mit dem alten Cordilliera 4 abgeben, führten es aber als Reserve noch mit. Nach Fährfahrt und Kauf des neuen Zelts wurde es spät, als wir auf dem ersten Campingplatz ankamen, und der Bauer zeigte mahnend auf aufziehende graue Wolken. Wir glaubten an Regen und entschieden, unser altes, vertrautes Zelt schneller aufbauen zu können als das neue, mit dem wir noch nicht vertraut waren. Wir hatten recht, aber anders als erwartet:

Es gibt keine Bilder von dem Sturm, der etwa dreizehn Minuten später über den Platz fegte, es kann keine geben, denn zwar hatte ich das Zelt in gewohnter Weise aufgerichtet, mit Heringen an den Ecken und zwei Leinen an den Enden, als das Wetter sich entlud, und es war eben kein einfacher Regen. Frau und Kinder waren im Inneren des Zelts, und das war gut so, denn so konnte es sicher nicht wegwehen – es blies mit Sturm- bis Orkanstärke, und das flexible Alugestänge legte sich zeitweise komplett flach auf den Boden. Panisch war ich nicht, aber hektisch, im waagerecht strömenden Regen hantierte ich mit Gummihammer, Heringen und Abspannleinen an allen sechs Endpunkten, bis das Zelt wirklich sturmsicher befestigt war. Ungeachtet des tollen Wetters verbrachten wir eine weitere ruhige Nacht in einem soliden Zelt, das keinen Mucks mehr machte, und das sich am nächsten Morgen auch völlig unbeschädigt zeigte, obwohl es doch zeitweise für so ein Unwetter völlig unzureichend abgesichert war. Einen besseren Qualitätsbeweis als an seinem letzten Tag hätte uns das Zelt in allen Jahren nicht liefern können. Dass es regendicht ist, wussten wir schon lange, aber sturmsicher bis zum Orkan, phantastisch.

Outwell Nevada M

Wir hatten es angekündigt, wir sind motorisiert und bequem geworden, und es sollten andere Zeiten und andere Zelte kommen. Wir hatten lange mit einem Outwell-Zelt geliebäugelt, uns die meisten aber neu nicht leisten wollen, und Kleinanzeigen waren immer sofort weg, andere dachten wohl ähnlich wie wir. Es wäre also bei dem britischen Ausrüster wohl eine Eigenmarke geworden, wenn nicht plötzlich dort ein Outwell Nevada M, wohl ein Vorjahresmodell, als Sonderangebot gestanden hätte. Es ist ein Fünf-Personen-Zelt mit zwei Schlafkammern, vollständig geschlossenem Boden und geräumiger Apsis, die Platz für Tisch und Stühle bietet, ziemlich genau was wir gesucht hatten.

Outwell Nevada M

Es diente uns jetzt eine Saison lang, und hat einiges ausprobiert in dieser Zeit. Wir konnten es etwa ab dem dritten Tag schnell und geübt aufstellen, hatten allen Platz, den wir uns wünschten, es ist pottdicht im Regen, und seinen ersten Sturm – ähnlich dem oben beschriebenen – wetterte es auch ab. Seine Details sind gut durchdacht, seine Fensterfronten machen es hell und einladend, seine Schlafkammern mit herauszippbarer Trennwand sind geräumig. Natürlich ist es größer im Packmaß und schwerer, ich habe ja schon erklärt, dass es diesmal nicht darum ging, ein Fahrradzelt zu suchen. Aber die gut verarbeitete Tasche über die Wiese zu tragen ist jedenfalls kein Problem.

Specs: 4,85 x 3,60 m, Gewicht 18,2 kg, 3.000 mm Wassersäule Zelt, 10.000 mm Boden.

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Reviews aus der Vergangenheit: Our Planet Zelte

Unsere diesjährige Campingtour wird voraussichtlich eine Veränderung mitbringen: da unsere Kinder größer werden, und wir seit letztem Jahr zum Transport von “Pütt und Pann” und den Fahrrädern einen Kleinbus nutzen, haben wir viel Platz, und unser Zelt ist uns zuletzt ein wenig zu klein geworden, so dass wir uns nach einem größeren Familienzelt umsehen.

Genau das gibt mir aber Gelegenheit, liebevoll auf unsere beiden Zelte der Vergangenheit zurückzublicken: Die Our Planet Zelte Cantana 3 und Cordilliera 4.

Our Planet Cantana 3

2003 für unser erste Schweden-Fahrradreise angeschafft, sollte das Cantana 3 ein Leichtgewicht von anständiger Qualität für 2 Personen werden, und genau das wurde es auch.

Our Planet Cantana 3

Mit 3,5 kg ist es wahrlich ein Leichtgewicht, und die nominell drei Schlafplätze sind – diese Formel gilt ja meistens – geräumig für zwei Personen. Wie alle Zelte, die wir kennen von Our Planet, der Eigenmarke, die der “Oudoor-Schotte” McTrek heute leider nicht mehr anbietet, war die Qualität trotz des ausgezeichneten Preises hervorragend und ist es vor allem bis auf etwas ausgebleichte Farben auch noch heute, elf Jahre später. Sturmsicher, pottdicht, leicht auf- und abzubauen. Gut verarbeitet. Passgenaues Alugestänge.

Our Planet Cordilliera 4

Was soll ich sagen, es kamen Kinder hinzu, und unser Bedarf an Zeltfläche wuchs. Vier Menschen mussten untergebracht werden, und in der Apsis sollten nicht nur ein paar Packtaschen stehen, man wollte dort auch einmal hocken, um auch bei Regen eine Mahlzeit einzunehmen. Trotzdem blieb das Cordilliera 4 vom selben Hersteller ein Radfahrerzelt, mit 5,3 kg weiterhin bequem auf den Gepäckträger zu klemmen. Es bietet mit 2,50 m x 4,20 m zwei Erwachsenen und zwei Kindern guten Platz, für vier Erwachsene würde ich es wiederum nicht unbedingt nehmen, da sich die vier Isomatten am Fußende auch leicht überlappen müssen. Stehhöhe ist in dieser Klasse einfach nicht zu erreichen, mit 1,50 m immerhin bequeme Sitzhöhe. Alles oben Gesagte zu Qualität, Dichte und Haltbarkeit gilt auch bei diesem Modell, es ist seit 2007 bei uns und hat viele Reisen mit Kindern schadlos überstanden.

Our Planet Cordilliera 4

Our Planet Cordilliera 4

Was mit Kleinkindern groß wie ein Ballsaal war, ist es mit einer Zehnjährigen und ihrem Bruder nicht mehr ganz so. Die 20 Kilo eines Familienzeltes würde man niemals auf ein Fahrrad aufladen, im Auto sind sie unbedeutend. Deshalb blicken wir nach vorn auf etwas Größeres, bis die Kinder mit uns zusammen wieder reine Radtouren machen. Und dann werden sie sicher noch einmal ausgepackt: beide Zelte zusammen.

biede Zelte

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Mach mal einen Punkt, Ferrero: Unsere .kinder gehören uns

Mit Schrecken lese ich bei Heise, dass Ferrero wieder kämpft, diesmal um die neue generische Top Level Domain .kinder. Das ist nicht neu, der Kampf wurde schon vor anderthalb Jahrzehnten um einzelne Domänen (also den “Mittelteil” vor der Endung wie z. B. .de oder .com) geführt und im allgemeinen im deutschsprachigen Raum verloren, so gehört Ferrero zwar kinder.it oder kinder.fr, aber weder kinder.de noch kinder.at oder kinder.ch, denn “auch der hohe Bekanntheitsgrad der Marke ‘kinder’ vermag nichts daran zu ändern, dass unter ‘kinder’ in erster Linie junge, minderjährige Menschen verstanden werden und nicht Lebensmittel”, so entschied das österreichische Gericht den Streit um kinder.at.

Am liebsten hätte Ferrero den Schutz ja für jede Nennung des Worts Kinder (z. B. Zahnbürsten, zumindest aber Süßigkeiten), während die gefühlte Wahrheit hier in Deutschland ganz anders aussieht: Persönlich anerkenne ich eigentlich nur das Traditionsprodukt Kinder-Schokolade als von der allgemeinen Lebenserfahrung gedeckt, schon die Werbung für “Kinder-Überraschung” kann nicht verhindern, dass die Nutzerin an ein generisches Überraschungsei denkt. Bei den Top Level Domains, die jetzt eben neu auch mehr sind als nur Länderbezeichnungen oder, im Heimatland des Internet, .com/.net/.org, geht es also wiederum um Marken vs. generische Begriffe, “closed generics”, bei denen die Amerikaner wieder nur an Beispiele wie .books (hätte Amazon gern) oder .car denken. Solche sollen dann nicht einem Quasi-Monopolisten zur alleinigen Nutzung offen stehen, sondern jeder soll sich darunter registrieren können. Ich kenne einige, die sich vermutlich zusammen mit mir um family.bike Gedanken gemacht haben, wie familyonabike.com, familyonbikes.com oder fietsenmetkinderen.nl, die uns damals auf den eigenen Namen brachten (aber gelandet ist sie wieder mal nur als Parkdomain bei Internetwegelagerer GoDaddy). Wie so oft haben die Amerikaner bei generischen Begriffen aber nur bis zur Nasenspitze ihrer eigenen Sprache gesehen, hier in Deutschland war niemand wach, und jetzt ist der Deutsche Kinderschutzbund empört. Kleinere Websites wie diese müssen derweil erleichtert sein, dass Ferrero nichts mit Fahrrädern macht…

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‘I know what I’m doing': Motorist pulling thirty-tons box through inner city insists he WASN’T putting people in danger

The last time I went to London I observed the most curious device: A motorist had an enormous steel box attached to the rear of his car. It was probably 8 ft wide, wider than most cars, 8 ft high, higher than any car, and 40 ft long, as long as a bus. The car with the box must easily have weighed 30 tons – as much as 300 cyclists with their bikes. He was pulling the contraption, which barely enabled him to see more than through his front windshield, through the inner city at rush hour.

When I enquired with a road safety police officer he told me they ‘knew what they were doing’. Apparently people had been carrying goods in those ‘HGVs’ on this route for years, and he probably thought the annoying tourist was ‘unfair’ on motorists. He insisted they WEREN’T putting people in danger.

Since my return from London, six cyclists have died in London in just two weeks. They were run over by HGV trucks, lorries, and buses, often in their own separate bike lanes. While the above encounter (including the capitalization) is a fictitious response to a quite outrageous Daily Mail article, the rate of accidents is very much real, making it obvious where the dangers lie, and where to look to improve the situation.

A cargo bike, apparently a rare sight in central London

A cargo bike, apparently a rare sight in central London

London, like many other places, has recently experienced a bike boom, and cyclist-friendly mayor, Boris Johnson, is now struggling to turn his multi-million-people city around like a sluggish supertanker, reacting to the increased demand for cycling safety. When he erected bicycle lanes, people complained that they were merely “blue lines painted on the road” and this was insufficient. When cyclists stop on the inside of HGVs, in the drivers’ blind spot, “they may well have the right to be there”, as acknowledged by Met Traffic Command chief Jones, but they are maimed anyway. And the current approach of Johnson and Jones – increased police presence allegedly seeking for reckless drivers and riders alike, yet stopping 70 lorries and 100 cyclists – is a desperate measure and is looking in the wrong places.

The fact is, and it is the same in London or Düsseldorf,

  • that city traffic is on the verge of collapse,
  • that any cyclist is one less car and therefore actively helping relax this threat scenario,
  • that all we have to stop each other from killing us is a feeble construction of rules, lines, white or blue alike, and blinking lights that barely anyone is following,
  • and while any participant not following those rules is a troublemaker, a truck of 30 tons IS putting people in danger, a cyclist on a bakfiets is only a threat to himself.
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Mein Test: Dein Text. Dein Motiv. Dein picShirt.

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Die Möglichkeit, T-Shirts und andere Textilien mit eigenen Motiven zu bedrucken, war früher wenigen Copyshops vorbehalten und gehört heute zum guten Ton des Internets. Ein Anbieter muss da also etwas vorweisen können, was den Vergleich zu anderen Anbietern wert ist: Die Bestellung muss komfortabel sein, die Textilien von anständiger Qualität, der Preis konkurrenzfähig und die Qualität des gelieferten Drucks sollte überzeugen.

Shirts mit eigenem Text selbst gestaltenWer es schnell machen will, möchte Shirts mit eigenem Text selbst gestalten, und erwartet, dass dieser Vorgang wirklich nur wenige Mausklicks dauert. Nun, picShirts.de liefert: Beim Aufruf der Site ist der “Creator” schon geöffnet, ein T-Shirt wählen, den Reiter “Text” wählen, losschreiben, in den Warenkorb. Schneller geht’s nimmer.

Shirts mit eigenem Motiv selbst gestaltenWer dagegen etwas wirklich Eigenes entwickeln will, mit Fotos oder Logo, der möchte Shirts mit eigenem Motiv selbst gestalten, und erwartet, dass er volle Kontrolle und Einstellmöglichkeiten hat. Nun, picShirts.de liefert: Du kannst deine eigene Grafik- oder Bilddatei hochladen, online im Creator z. B. noch Silhouetten verändern oder rotieren, du wirst über eine verständliche Sternchen-Ampel informiert, ob deine Bildauflösung für die gewählte Größe gut genug ist, Transparenz bei PNG-Daten wird beim Druck berücksichtigt. Auch eigene Grafiken mit Text oder Cliparts zu kombinieren ist gegen Aufpreis möglich. Das alles klappt im picShirts.de – Shirt-Creator problemlos.

picshirts_LogoDie ganze Website verspricht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, gute Qualität, günstige Preise, die Möglichkeiten des Creators, die Garantie eines Trusted Shop. Und so ist denn auch die Seite um den Shirt-Creator herum bewusst sparsam gebaut. Alles Wichtige spielt sich darin ab. Natürlich hat man beim guten alten T-Shirt-Druck heute auch neue Ansprüche: Ich mag z. B. Produkte aus Organic Cotton, und auch die werden geliefert. Oder man möchte ungewöhnlichere Dinge in individuelle Geschenke verwandeln – dafür gibt es nicht einfach nur T-Shirts, sondern auch Hoodies, Babybekleidung, Regenjacken, Caps, Kissen oder Smartphone-Cover. Oder man erstellt selbst einen QR-Code und druckt ihn werbewirksam auf…. bestickt Polohemden… Wenn es textil ist, ist es möglich. Tassen gehen hier nicht :-)

Natürlich kann man die Qualität am Ende erst beurteilen, wenn man sein eigenes Produkt in Händen hält, und so habe ich einen Testdruck bestellt. Mein Hoodie mit dem neuen Logo von “Radfahren mit Kindern” sieht wirklich gut aus, ist aus einer sehr anschmiegsamen Faser und ausgezeichnet bedruckt. Wie ich schon schrieb, werden Transparenzen freigestellt, das Weiß ist deckend. Ich bin höchst zufrieden. Versandt wurde mit DHL, eine Waschanleitung liegt ebenso bei wie zwei Gutscheine zur Anrechnung auf die nächste Bestellung – eine nette Geste.

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Das selbstradelnde Hinterrad – Perpetuum mobile oder unendliche Geschichte?

Seit Anfang 2010 auf der Kopenhagener Klimakonferenz das “Copenhagen Wheel” vorgestellt wurde, rollt die Idee eines Nachrüstsatzes für ein Elektrofahrrad, das sich auf den Austausch des Hinterrads beschränkt, durch unsere Köpfe.

Copenhagen Wheel 2010

Oder trudelt, sollte man vielleicht besser sagen. Denn in Schwung kam die Idee nicht, auch noch nicht, als 2011 eine Schweizer Firma mit an Bord stieg und das “e-Jalopy” daraus machte.

GreenWheel E-jalopy 2011

Auch das wurde nichts, die Zeit berichtet, dass der Schweizer den Ursprungsentwickler aus dem Boot warf und mit einer neuen Website durchstartete – man schaue selbst, auch diese dümpelt nach heutigem Stand nur inhaltsleer.

Aber natürlich ist so eine Idee, einmal in der Welt, auch in den Köpfen anderer Leute. Und so versucht es jetzt der nächste mit einem Kickstarter, er hat die Idee 1:1 re-engineert. Alle Ursprungselemente sind weiterhin an Bord, der 250W-Motor, die Smartphone-App, das “Abschließen” mit demselben. Neu ist ein LED-Scheinwerfer in der Smartphonehalterung und ein eigener GPS-Sensor im Hinterrad, der bei Diebstahl helfen soll.

FlyKly Smart Wheel 2013

FlyKly Smart Wheel 2013

Der geneigte Leser sagt: Abwarten. Das Fahrrad ist jetzt bald 200 Jahre alt, es hat vieles gesehen. Neue Ideen setzen sich durch, wenn ihre Zeit gekommen ist usw. usw. Manchmal gelingt es, der Helmairbag Hövding aus derselben Zeit kommt inzwischen wirklich in Schwung, er ist z. B. im Tagesspiegel oder sogar bei Amazon angekommen.

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Warner Brothers Studio Tour, ein Erlebnis für Harry-Potter-Fans

Wir wissen nicht mehr genau, wann die Buchreihe “Harry Potter” Einzug in unser Leben hielt. Ich erinnere mich aber an eine Fahrradreise durch Schweden im Sommer 2003, während der der Band “The Order of the Phoenix” erschien. In jenen Jahren gab es richtige Launch Partys, bei denen Fans unter großem Presserummel um Mitternacht des Stichtags das neue Buch präsentiert wurde. Wir dagegen hielten uns in ländlicher Gegend Südschwedens auf und waren froh, in den Tagen darauf (am Erscheinungstag war Midsommar und natürlich alle Geschäfte geschlossen) und der einzigen Buchhandlung einer Kleinstadt den Band tatsächlich zu erhalten. Wir fuhren nicht viel Fahrrad in den nächsten Tagen, sondern hockten im Zelt und lasen das Buch in abwechselnden Schichten. Unsere Kinder waren damals noch nicht einmal geboren, heute mit sieben und neun Jahren sind auch sie begeisterte Leser der Bücher.

Gewaltige optische Erlebnisse sind natürlich die dazu gehörigen Filme, die zwischen 2001 und 2011 entstanden, und den Weltrang von Joanne K. Rowling ebenso festigten wie den von Daniel Radcliffe und Emma Watson. Dabei sind vor allem zwei Dinge besonders an ihnen: Erstens wurden die Filme von Hollywoodrang komplett in England produziert, und zweitens wurde von den epischen Spezialeffekten verblüffend viel nicht am Computer, sondern Im Richtigen Leben, in Modellen und Animatronic, umgesetzt.

Und deshalb haben Warner Brothers in Watford bei London die Möglichkeit genutzt, nach Abschluss der Produktion aus den nicht länger benötigten Requisiten in den Studiohallen eine gewaltige Fanausstellung zu machen: die Warner Brothers Studio Tour. Ein Tour Guide sagte mir “ich war in Hollywood in den großen Studios, und sie hatten gar nichts wie wir hier, das sie vorführen konnten.”

Womit wir ins Spiel kommen: Englandreise, Harry-Potter-Fans groß und klein, logische Folge: Die Studiotour muss angesehen werden!

Shuttlebus

Und so standen wir am Morgen des 29. August um 9 Uhr 54 in Leavesden und nahmen unsere Audio Guides (dazu später mehr) in Empfang. “Are you quite calm?” fragte mich der freundliche Junge am Ausgabeschalter. Er musste mir angesehen haben, dass ich eben gar nicht ruhig war – dass wir hier waren, mit unseren Eintrittskarten, genau wenige Minuten vor unserem eingeräumten Eintrittstermin, hatten filmreife finstere Mächte mit allerlei Tücken wie ausgebuchten Karten, abstürzenden Heißluftballons und in die Irre gehenden Navis zu verhindern versucht. Jetzt aber, jetzt war ich ganz ruhig.  Weiterlesen

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Dover bis Bexhill-on-Sea (Cobbs Hill Farm)

Während wir unsere Schottlandreise 2014 antreten, sind noch immer die Blogeinträge aus 2013 zu bearbeiten. Hier also der erste:

Als wir in Dover von der Fähre rollen und entscheiden, dass es noch für eine kleine Strecke reicht, bis wir uns einen Campingplatz suchen müssen, denken wir von Bexhill, es sei nicht besser und nicht schlechter als irgendein anderer Ort. Ein Irrtum: Bexhill-on-Sea ist sehr viel besser als irgendein anderer Ort, es ist eine ausgesprochen gut geeignete Basis. Es ist eines dieser kleinen Seebäder mit einer schönen Strandpromenade. Es gibt viele, aber nicht alle haben sich gut gehalten. Das benachbarte Hastings, das von der gleichnamigen Schlacht lebt, ist bei weitem nicht so ansprechend.

2013-08-10 18.33.54Bexhills Strandpromenade ist schön und aufgeräumt, der Strand ist kiesig, das Grün gepflegt. Man kann kostenlos parken, das ist nicht selbstverständlich. Der De La Warr Pavilion von 1935 beherbergt heute Kunstausstellungen und Konzerte. Der angrenzende Egerton Park hat einen topmodernen, schönen, ansprechenden Kinderspielplatz.

Besonders gut gefallen hat uns auch der Campingplatz Cobbs Hill Farm (bei UK Camp Site, der Referenz für detaillierte Beschreibungen). Familiäre Atmosphäre, viel Grün, wiederum ein schöner Spielplatz, um den sich die Kinder aller Camper scharten, und akzeptable Sanitäranlagen (die, wie ich gerade lese, 2014 wohl gründlich saniert wurden, was ihnen sicher gut tat). Ein kleiner Streichelzoo komplettiert das Bild. Wir bleiben mehrere Tage, das tun wir gern spontan, wenn es uns gefällt.

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Lust auf Premium Urlaub – Ferien am Wörthersee

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Manchmal bedaure ich es, dass die Kinder gerade noch etwas zu klein sind, um eine richtige Campingreise mit den Rädern zu machen. Dabei gibt es viele andere Arten, Radfahren und Kinder im Urlaub unter einen Hut zu bringen, sportliche und gemütliche, luxuriöse und budgetorientierte.

Familienradeln am Wörthersee

Wenn man eher Lust auf Premium Urlaub hat, aber trotzdem etwas Sportliches machen will, bieten sich die 4 und 5 Sterne Hotels am Wörthersee an. Dann kann man es sich im Rahmenprogramm gut gehen lassen, und dann losradeln: Nach einem herrlichen, stärkenden Frühstück gemütlich durch die Landschaft rollen mitsamt den Kindern ist ebenso drin wie verschärftes Mountainbiken, während die Kids im Sommersportcamp “Kid’s Se(e)nsation” betreut werden, oder mittwochs auf Piratenschifffahrt mit Kapitän Blaubart gehen. Wenn die eigene Kondition noch Optimierungspotential aufweist, kann man sich mit einem elektrisch unterstützten “movelo” anschieben lassen. Genussradler oder Rennradler, eigenes Rad auf dem Heckträger mitgebracht oder passende Räder, auch für Kinder, direkt am Hotel gemietet – es ist für jeden etwas dabei.

Radfahren am Wörthersee

Und abends heißt es dann wieder Urlaub auf höchstem Niveau, wenn die Top Hotels am Wörthersee mit Wellness und Sterneküche mit Seeblick den Tag ausklingen lassen. Denn die Landschaft, die ist mit Geld nicht zu bezahlen und doch immer im Preis inbegriffen.

Seeblickdinner am Wörthersee

Wer noch spontan günstige Angebote sucht, findet sie hier: z. B. aktiv entspannen oder Wellness, oder 4 Nächte zum Preis von 3. Welche Unterkünfte noch frei sind, kann man hier checken: einfach den Schieber am oberen Seitenrand auf den gewünschten Zeitraum einstellen! Alle Angebote erreicht man auch von der Startseite: viele nützliche Links führen von dort weg, selbst zu so exotischen Seiten wie “hurra, es regnet” mit eigenem Infofolder – als wenn das im Augenblick vorstellbar erschiene…

Premium Hotels Wörthersee

Ob man seinen Urlaub eher umweltgerecht gestalten will, liegt in der Hand des Einzelnen. Die Möglichkeiten sind da: Wo das Mietradangebot gut ist, kann man mit der Bahn anreisen, Bioküche in vielen Hotels und Restaurants genießen, einen Besuch im Biosphärenpark Nockberge unterbringen… Ich finde es immer wichtig, dass ökologisches Verhalten und Komfort sich eben auch nicht ausschließen.

Klar, dass es auch eine likenswerte Facebook-Seite und einen Youtube-Channel gibt, bei dem allerdings noch was geht.

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Verständige Menschen

Ich würde mich als relativ verständigen Menschen verstehen – aber ich schätze, das würden die meisten von sich erklären, aber oft von anderen bestreiten. Ich trage einen Fahrradhelm (meistens) denn wenn auch sein tatsächliches Sicherheitspotential für einen zügig radelnden Erwachsenen begrenzt ist, besteht wenig Zweifel, dass er eher nutzt als schadet. Wenn ich ihn einmal nicht trage, empfinde ich mich immer noch als verständig, immerhin bewege ich mich weiterhin im Rahmen der Straßenverkehrsordnung, die keine Helmpflicht kennt.

Ein Problem mit den verständigen Menschen ist, dass es für sie keine objektive Definition gibt. Würden verständige Menschen rauchen, in Restaurants oder überhaupt? Wie viel Gemüse essen verständige Menschen, wie viel Pommes? Sind es verständige Menschen, die in den vergangenen Jahren die europäische Finanz- und Bankenpolitik gelenkt haben?

Würden verständige Menschen nachts in dunkler Kleidung Rad fahren? Oder würden sie unter denselben Lichtverhältnissen ein dunkles Auto lenken? Sind es verständige Radfahrer, denen es auf der Straße so heftig zugeht, dass sie lieber auf dem Gehweg fahren? Weil es ihnen subjektiv sicherer vorkommt, obwohl ihr objektives Unfallrisiko um das bis zu Zwölffache erhöht ist? Sind es verständige Autofahrer, die auf der Straße neben dem Radfahrer herfahren, das Seitenfenster runterdrehen und Vogel zeigend “Radweg!” brüllen – obwohl da nur ein Gehweg ist? Nicht einmal, sondern fünf-, zehn-, zwanzigmal?

Zumindest für die letztgenannten Fälle gibt es aber objektive Kriterien: Der Radfahrer führt ein Fahrzeug und gehört grundsätzlich auf die Fahrbahn, das sagt die Straßenverkehrsordnung explizit, benutzungspflichtige Radwege sind die Ausnahme von der Regel. Verständige Menschen, das sind doch sicher die, die sich an die objektiv einschlägige Rechtsvorschrift halten.

Richter sind in diesem Land in ihren Entscheidungen an Recht und Gesetz gebunden, das, und nur das, ist objektiv. Vermutlich hilft es ihnen bei der Entscheidungsfindung, wenn sie außerdem verständige Menschen sind, das ist jedoch subjektiv und deshalb keine Bedingung.

Worum ging es nun bei alledem? Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat einer schuldlos in einen Unfall verwickelten Radfahrerin einen Eigenanteil der Kosten aufgebrummt, weil sie keinen Helm trug, was nicht vorgeschrieben ist, was aber, so der Richter, “ein verständiger Mensch tun würde”. Ein verständiger juristischer Kommentar dazu z. B. hier, oder man googelt “Helmpflicht durch die Hintertür”. Der ADFC hat angekündigt, die Radfahrerin bei der Revision zu unterstützen.

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